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Thesaurierend: Erträge bleiben im Fonds

Ein thesaurierender Fonds legt Erträge automatisch wieder an, statt sie an die Anleger auszuzahlen. Der Anteilspreis steigt dadurch entsprechend — auf dem Verrechnungskonto kommt nichts an.

Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.

Was mit den Erträgen geschieht

Dividenden und Zinsen, die der Fonds aus seinen Beständen erhält, fließen zunächst in das Fondsvermögen. Bei einer thesaurierenden Anteilsklasse verbleiben sie dort und werden nach den Anlagebedingungen des Fonds wieder investiert.

Für dich als Anleger hat das drei praktische Folgen:

  • Keine Buchung auf dem Konto. Es gibt keinen Zahlungseingang, den du erfassen müsstest.
  • Kein Wiederanlage-Aufwand. Du zahlst keine Ordergebühr für die erneute Anlage und musst keinen Termin überwachen.
  • Höhere Stückzahl entfällt. Die Anzahl deiner Anteile bleibt unverändert; ihr Wert steigt stattdessen.

Der letzte Punkt ist der häufigste Stolperstein beim Depotabgleich: Wer die Wertentwicklung an der Stückzahl ablesen will, sieht bei einem Thesaurierer nichts.

Ein weiterer Unterschied betrifft die Auswertung. Weil kein Zahlungsstrom entsteht, taucht der Ertrag in keiner Umsatzübersicht auf. Wer seine Rendite aus Kontobewegungen ableitet, unterschätzt einen Thesaurierer systematisch — sichtbar wird der Ertrag ausschließlich im gestiegenen Anteilspreis. Für die Dokumentation heißt das: Maßgeblich ist der Depotauszug, nicht der Kontoauszug.

Steuerlich bleibt der Ertrag trotzdem nicht unerfasst. Damit thesaurierende Fonds gegenüber ausschüttenden keinen unbegrenzten Zeitvorteil haben, greift die Vorabpauschale — ein pauschaler Mindestertrag, der jährlich versteuert und beim späteren Verkauf angerechnet wird. Wie stark der verbleibende Stundungseffekt über zwei Jahrzehnte wirkt, rechnet Steuerstundung bei Thesaurierung durch.

Abgrenzung zu ausschüttenden Anteilsklassen

Beide Varianten halten dieselben Titel, verfolgen dieselbe Indexstrategie und unterscheiden sich meist nur in einem Buchstaben der Bezeichnung.

ThesaurierendAusschüttend
Kennzeichnung„Acc", „C", „Thesaurierend"„Dist", „D", „Ausschüttend"
Zahlungseingangkeinermehrmals jährlich
Steuerauslöser laufendVorabpauschaledie Ausschüttung selbst
Pauschbetrag nutzbareingeschränkt, über die Pauschaledirekt über die Ausschüttung
Wiederanlageautomatisch im Fondsmanuell durch dich

Auch die Kostenseite unterscheidet sich in aller Regel nicht: Beide Anteilsklassen desselben Fonds weisen üblicherweise dieselbe TER aus, weil sie dasselbe Portfolio halten und derselben Verwaltung unterliegen. Wer zwischen den Varianten wählt, entscheidet also nicht über Kosten oder Strategie, sondern ausschließlich über den Zeitpunkt, zu dem Erträge steuerlich erfasst werden und Geld auf dem Konto ankommt.

Dieselbe ISIN gibt es nie für beide Varianten — es sind eigenständige Anteilsklassen mit eigener Kennnummer. Wer beim Broker die falsche auswählt, hält deshalb nicht den falschen Index, sondern nur die ungewollte Ertragsverwendung.

Welche Variante steuerlich günstiger ist, hängt davon ab, ob dein Sparerpauschbetrag sonst ungenutzt bliebe. Diese Abwägung führt Thesaurierend oder ausschüttend. Der historische Begriff für nicht ausgezahlte Erträge steht unter Ausschüttungsgleiche Erträge.


Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Die Wahl der Anteilsklasse hat steuerliche Folgen, die von deinen persönlichen Verhältnissen abhängen.

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