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Tracking Difference statt TER als Vergleichsmaß

Die TER steht im Factsheet, die tatsächliche Abweichung zum Index steht woanders — und ist die relevantere Zahl. Beide messen etwas Verschiedenes, und nur eine davon beschreibt das Ergebnis.

Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.

Was die TER abbildet und was nicht

Die TER ist eine Kostengröße: Sie beziffert, welcher Anteil des Fondsvermögens im Jahr für Verwaltung, Lizenzen, Verwahrung und Prüfung abgeht. Sie wird vorab kalkuliert und im Factsheet ausgewiesen.

Was sie damit leistet: eine verlässliche Aussage über einen Teil der laufenden Belastung, vergleichbar zwischen Anbietern, ohne Rechenaufwand ablesbar.

Was sie nicht leistet: eine Aussage darüber, wie nah der Fonds am Index bleibt. Denn zwischen Kostenabzug und Ergebnis liegen vier weitere Einflüsse:

  • Transaktionskosten im Fonds bei Indexanpassungen
  • Steuerliche Behandlung von Dividenden je nach Fondsdomizil
  • Erträge aus Wertpapierleihe, die den Fonds verbilligen
  • Abweichungen der Nachbildung bei Sampling oder Swap-Konstruktionen

Die ersten beiden wirken belastend, der dritte entlastend, der vierte in beide Richtungen. Keiner von ihnen steht in der TER.

Daraus folgt keine Abwertung der Kennzahl. Sie ist präzise für das, was sie misst — sie misst nur nicht das, wofür sie meistens herangezogen wird.

Die Tracking Difference als Ergebnisgröße

Die Tracking Difference misst rückblickend, wie weit die Fondsentwicklung von der Indexentwicklung abgewichen ist. Sie ist damit eine Ergebnisgröße, keine Kostengröße.

Die Rechnung ist einfach: Indexrendite minus Fondsrendite über denselben Zeitraum. Ein positiver Wert bedeutet, der Fonds blieb hinter dem Index zurück.

Ein Modellbeispiel mit gesetzten Werten: Depot 83.900 Euro, eine Position mit ausgewiesener TER von 0,07 Prozent, Betrachtungszeitraum 19 Jahre.

GrößeFonds AFonds B
TER0,07 %0,20 %
Tracking Difference (5-Jahres-Mittel)0,14 %0,05 %
Tatsächlicher Rückstand pro Jahr0,14 %0,05 %

Fonds A ist nach TER günstiger, nach Ergebnis schlechter. Über 19 Jahre und einen Bestand in der Größenordnung von 83.900 Euro summiert sich der Unterschied von 0,09 Prozentpunkten auf einen deutlich vierstelligen Betrag.

Genau dieser Fall ist keine Ausnahme. Er entsteht regelmäßig, wenn ein Fonds mit niedriger TER in einem ungünstigen Domizil aufgelegt ist oder keine Wertpapierleihe betreibt. Die Definition steht unter Tracking Difference.

Modellrechnung, keine Prognose. Die Werte sind gesetzt, nicht erwartet.

Warum sie auch negativ sein kann

Ein negativer Wert bedeutet: Der Fonds hat den Index geschlagen. Das klingt nach einem Widerspruch — ein Indexfonds soll den Index ja nachbilden, nicht übertreffen.

Zwei Ursachen erklären es:

  1. Erträge aus Wertpapierleihe. Der Fonds verleiht Papiere gegen Gebühr und gibt einen Teil der Einnahmen an das Fondsvermögen weiter. Übersteigen diese Einnahmen die laufenden Kosten, entsteht ein Vorsprung.
  2. Steuervorteile gegenüber der Indexberechnung. Viele Indizes werden unter Annahme eines Standard-Quellensteuersatzes berechnet. Ein Fonds in einem Domizil mit günstigen Doppelbesteuerungsabkommen holt mehr zurück als der Index unterstellt.

Beide Effekte sind real und nicht auf Dauer garantiert. Leiheerträge schwanken mit der Nachfrage; steuerliche Rahmenbedingungen ändern sich.

Deshalb gilt für die Auswertung: Eine einzelne negative Jahresangabe sagt wenig. Erst ein Mittelwert über drei bis fünf Jahre zeigt, ob der Vorsprung strukturell ist.

Nicht zu verwechseln ist die Tracking Difference mit dem Tracking Error. Der misst die Schwankung der Abweichung, nicht ihre Höhe — ein Fonds kann konstant 0,2 Prozent zurückliegen und dabei einen sehr niedrigen Tracking Error haben.

Wo du die Zahl findest und wie du sie liest

Die Tracking Difference steht nicht im Factsheet. Sie muss entweder berechnet oder aus einer Auswertung entnommen werden.

Drei Quellen kommen in Frage:

  • Der Jahresbericht des Fonds. Er weist die Wertentwicklung des Fonds und die des Index für dasselbe Geschäftsjahr aus. Die Differenz ist ablesbar.
  • Auswertungsdienste, die mehrjährige Reihen je ISIN zusammenstellen.
  • Die eigene Rechnung. Fondsrendite und Indexrendite über identische Zeiträume gegenüberstellen — der Aufwand liegt bei wenigen Minuten je Fonds.

Beim Lesen sind drei Punkte wichtig:

  1. Der Index muss derselbe sein. Ein Fonds auf den MSCI World lässt sich nicht gegen einen anderen Index vergleichen.
  2. Die Indexvariante muss stimmen. Netto-, Brutto- oder Kursindex ergeben deutlich verschiedene Werte. Maßgeblich ist der Index, auf den der Fonds sich vertraglich bezieht.
  3. Der Zeitraum muss mehrjährig sein. Ein Jahr kann durch einen einzelnen Effekt verzerrt sein.

Praktisch reicht diese Prüfung einmal bei der Auswahl und danach im Abstand von zwei bis drei Jahren. Sie ersetzt die TER-Betrachtung nicht, sondern ordnet sie ein: Die TER sagt, was der Anbieter kalkuliert. Die Tracking Difference sagt, was davon beim Anleger angekommen ist.


Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Modellrechnung mit gesetzten Annahmen, keine Prognose und keine Anlageberatung. Vergangene Abweichungen setzen sich nicht zwingend fort.

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