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Was die TER über 25 Jahre tatsächlich kostet

0,18 Prozent klingen nach nichts und kosten über eine Ansparzeit trotzdem einen fünfstelligen Betrag. Der Grund liegt nicht in der Höhe der Zahl, sondern darin, worauf sie sich bezieht und wie oft sie anfällt.

Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.

Was die Kostenquote täglich vom Depotwert abzieht

Die TER wird nicht abgebucht. Es gibt keine Position auf der Abrechnung, keine Buchung auf dem Verrechnungskonto, keine jährliche Rechnung. Stattdessen entnimmt die Fondsgesellschaft die Kosten anteilig aus dem Fondsvermögen, bevor der Anteilspreis berechnet wird.

Praktisch heißt das: Ein Fonds mit 0,18 Prozent Kostenquote entnimmt jeden Handelstag ungefähr ein Zweihundertfünfzigstel dieser 0,18 Prozent. Der Anteilspreis, den du siehst, ist bereits um diesen Betrag gemindert. Du bezahlst die Kosten also, ohne sie je zu bemerken.

Diese Unsichtbarkeit ist der eigentliche Punkt. Bei einer Gebühr, die einmal im Jahr als 340 Euro auf dem Kontoauszug erscheint, würde jeder nachrechnen. Bei einer Zahl mit zwei Nachkommastellen im Factsheet tut es fast niemand.

Ein zweiter Punkt betrifft die Vergleichbarkeit. Weil die Entnahme im Anteilspreis verschwindet, lässt sich der Kostenunterschied zweier Fonds nicht am eigenen Depot ablesen. Wer zwei Fonds auf denselben Index hält, sieht am Jahresende zwei Zahlen — aber nicht, welcher Teil der Differenz aus den Kosten stammt und welcher aus der Abbildungsgenauigkeit. Genau deshalb steht die Quote im Factsheet und nicht im Depotauszug.

Drei Eigenschaften machen die Quote zu einer Planungsgröße:

  • Sie fällt unabhängig vom Ergebnis an. In einem Jahr mit 20 Prozent Plus wird sie entnommen, in einem mit 30 Prozent Minus ebenso. Von allen Größen in einer Modellrechnung ist sie die einzige, die sicher eintritt.
  • Sie bezieht sich auf den Bestand, nicht auf die Einzahlung. Nicht was du überweist, wird belastet, sondern was liegt.
  • Sie wirkt auf den Zinseszins. Was heute an Kosten abgeht, fehlt in allen Folgejahren als arbeitendes Kapital.

Der dritte Punkt wird am häufigsten unterschätzt. Die Kosten eines Jahres sind nicht nur der entnommene Betrag — es ist auch alles, was dieser Betrag über die verbleibende Laufzeit erwirtschaftet hätte.

Der Kostenbetrag im ersten und im letzten Sparjahr

Ein Modellbeispiel mit gesetzten Werten macht die Größenordnung greifbar:

  • Depotwert zu Beginn: 18.400 €
  • TER: 0,07 %
  • Betrachtungszeitraum: 11 Jahre
  • Renditeannahme: 5 % pro Jahr, keine weiteren Einzahlungen
JahrDepotwert zu JahresbeginnKosten des Jahres
118.400 €13 €
4rund 21.300 €15 €
8rund 25.900 €18 €
11rund 30.000 €21 €

Die Beträge wirken harmlos, und bei diesem Depotwert sind sie es auch. Bemerkenswert ist die Bewegung: Die Prozentzahl bleibt konstant, der Eurobetrag steigt um mehr als die Hälfte. Nicht weil der Fonds teurer wird, sondern weil mehr Kapital da ist, auf das sich derselbe Prozentsatz bezieht.

Rechnet man dieselbe Konstellation mit laufenden Einzahlungen, verschiebt sich das Bild noch einmal. Bei einem Sparplan wächst der Bestand nicht nur durch Rendite, sondern auch durch jede Rate. Der Kostenbetrag folgt dieser Kurve unmittelbar: Er ist in den ersten Jahren fast vernachlässigbar und erreicht seine volle Wirkung erst, wenn der Bestand groß ist. Über eine Ansparzeit von dreißig Jahren fällt mehr als die Hälfte der gesamten Kostenbelastung im letzten Drittel an.

Diese zeitliche Verteilung erklärt, warum Kosten in kurzen Betrachtungen harmlos wirken und in langen nicht. Wer die ersten fünf Jahre eines Sparplans anschaut, sieht einen zweistelligen Eurobetrag und schließt daraus auf Bedeutungslosigkeit. Die Rechnung stimmt — nur für den falschen Zeitraum.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer einmaligen Gebühr und einer laufenden Quote. Eine Ordergebühr von 5 Euro bleibt 5 Euro, egal wie groß das Depot wird. Eine Kostenquote wächst mit.

Modellrechnung, keine Prognose. Die Werte sind gesetzt, nicht erwartet.

Warum die Differenz mit dem Depotwert mitwächst

Interessant wird es beim Vergleich zweier Fonds. Nimm denselben Index, dieselbe Abbildung, dieselbe Anlagestrategie — und zwei Kostenquoten, 0,07 gegen 0,45 Prozent. Die Differenz beträgt 38 Basispunkte.

Bei 18.400 Euro Depotwert sind das rund 70 Euro Unterschied im Jahr. Über elf Jahre, bei wachsendem Bestand, summiert es sich auf einen niedrigen vierstelligen Betrag. Bei einem Depot, das über eine volle Ansparzeit auf mehrere hunderttausend Euro wächst, wird daraus ein fünfstelliger.

Ein Zahlenbeispiel für dieselbe Differenz bei wachsendem Bestand, wieder mit gesetzten Werten und ohne weitere Einzahlungen:

DepotwertKosten bei 0,07 %Kosten bei 0,45 %Differenz pro Jahr
18.400 €13 €83 €70 €
75.000 €53 €338 €285 €
200.000 €140 €900 €760 €
400.000 €280 €1.800 €1.520 €

Die letzte Zeile ist der Punkt, an dem die Kostenfrage aufhört, eine Detailfrage zu sein: 1.520 Euro im Jahr entsprechen bei vielen Plänen mehreren Monatsraten.

Der Effekt hat zwei Treiber, die sich verstärken:

  1. Der Bezugswert wächst. Dieselben 38 Basispunkte auf 300.000 Euro sind 1.140 Euro im Jahr statt 70.
  2. Der entgangene Zinseszins summiert sich. Jeder nicht entnommene Euro hätte weiter gearbeitet. Über zwei Jahrzehnte ist dieser Anteil größer als die Summe der entnommenen Beträge selbst.

Daraus folgt eine unbequeme Beobachtung: Der Kostenunterschied ist am Anfang der Ansparzeit fast unsichtbar und am Ende am größten — also genau dann, wenn eine Korrektur am wenigsten bringt. Wer die Fondswahl auf später verschiebt, verschiebt sie in die Phase, in der sie am wenigsten wirkt.

Zu beachten ist dabei, dass die TER nicht die vollständige Belastung abbildet. Handelskosten innerhalb des Fonds, Quellensteuer auf Dividenden und Erträge aus der Wertpapierleihe stehen nicht darin. Die tatsächliche Abweichung zum Index zeigt erst die Tracking Difference.

Ab welcher Laufzeit die Kostenfrage die Fondswahl dominiert

Bevor daraus eine Regel wird, gehört ein Einwand dazu: Die günstigste Quote ist nicht automatisch die beste Wahl. Ein sehr kleiner Fonds mit niedriger TER kann geschlossen werden, ein Fonds mit ungewöhnlicher Konstruktion kann in der Abbildung schwächeln, und ein Produkt ohne Sparplanfähigkeit nützt für einen laufenden Plan wenig. Die Quote ist ein Kriterium unter mehreren — allerdings dasjenige, das mit der Zeit an Gewicht gewinnt, während die anderen konstant bleiben.

Für die Praxis lässt sich das in eine Faustregel übersetzen — mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass es eine Orientierung ist und keine Rechnung für deinen Fall.

AnlagehorizontWas die Fondswahl bestimmt
unter 3 JahrenHandelbarkeit und Spanne; die Quote fällt kaum ins Gewicht
3 bis 10 JahreAbdeckung des Index und Abbildungsqualität
über 10 JahreKosten werden zur bestimmenden Größe

Ab etwa einem Jahrzehnt kehrt sich das Verhältnis um: Vorher entscheidet vor allem, ob der Fonds den gewünschten Markt sauber abbildet. Danach entscheidet, was er dafür verlangt — weil sich die Abbildungsqualität zweier seriöser Indexfonds kaum unterscheidet, die Kosten aber um ein Vielfaches.

Drei Konsequenzen für die eigene Planung:

  • Die Quote gehört in die Modellrechnung, nicht in eine Fußnote. Wer mit einer Bruttorendite plant und die Kosten später abzieht, plant zu optimistisch.
  • Bei mehreren Positionen zählt die gewichtete Quote. Der einfache Durchschnitt der TERs führt in die Irre; die Aggregation behandelt Gesamtkosten mehrerer ETFs.
  • Ein Wechsel allein wegen der Kosten rechnet sich selten. Der Verkauf löst Steuer aus, und die gesparten Basispunkte müssen diese erst wieder einbringen. Bei Neuanlagen ist die Entscheidung dagegen kostenlos.

Was in deinem Fall herauskommt, rechnet der TER-Rechner mit eigenem Depotwert und eigener Haltedauer.


Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Kostenangaben stammen aus den Unterlagen des jeweiligen Fonds. Die hier gezeigten Rechnungen sind Modellrechnungen auf Basis gesetzter Annahmen.

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