Ratgeber
Gesamtkosten eines ETF-Portfolios gewichtet berechnen
Vier ETFs mit vier TERs ergeben nicht den Mittelwert der vier Zahlen, sondern eine gewichtete Größe. Der Unterschied zwischen beiden Rechenwegen wächst mit der Ungleichheit der Positionen.
Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.
Warum der Durchschnitt der TERs falsch ist
Der naheliegende Weg ist der falsche: vier Kostenquoten addieren, durch vier teilen, fertig. Diese Rechnung unterstellt, dass jede Position gleich viel zum Depotwert beiträgt.
Genau das ist praktisch nie der Fall. Ein Kernbaustein mit 70 Prozent Depotanteil und ein Beimischungs-ETF mit 5 Prozent zählen im ungewichteten Mittel gleich — im tatsächlichen Kostenabzug unterscheiden sie sich um den Faktor vierzehn.
Die Kostenquote wird auf das Fondsvermögen bezogen berechnet und dem Anteilspreis laufend entnommen. Für dein Depot heißt das: Der Eurobetrag hängt am investierten Kapital je Position, nicht an der Anzahl der Positionen. Was die Quote im Einzelfonds misst, steht unter TER.
Ein einfaches Gegenbeispiel zeigt die Größenordnung. Zwei Positionen, eine mit 0,10 Prozent TER und 95 Prozent Depotanteil, eine mit 0,80 Prozent und 5 Prozent Anteil: Der ungewichtete Durchschnitt liegt bei 0,45 Prozent, die tatsächliche Belastung bei 0,135 Prozent. Der falsche Rechenweg weist mehr als das Dreifache aus.
Der ungewichtete Durchschnitt liefert deshalb systematisch eine falsche Zahl. Ob sie zu hoch oder zu niedrig ausfällt, hängt davon ab, wo die teuren Positionen sitzen — bei kleinen Beimischungen überschätzt er die Belastung, bei einem teuren Kernbaustein unterschätzt er sie.
Die Gewichtung nach Depotwert statt nach Anzahl
Der richtige Weg hat drei Schritte und braucht nichts als den aktuellen Depotauszug.
- Depotwert je Position feststellen. Aktueller Kurswert, nicht Einstandswert — die Kosten laufen auf den heutigen Wert.
- Anteil am Gesamtdepot berechnen. Positionswert geteilt durch Depotwert.
- Anteil mit der jeweiligen TER multiplizieren und alle Produkte addieren. Das Ergebnis ist die gewichtete Kostenquote des Portfolios.
In Formelform: gewichtete TER = Σ (Anteil_i × TER_i).
Die Rechnung lässt sich in jeder Tabellenkalkulation abbilden: eine Spalte Positionswert, eine Spalte TER, eine Spalte mit dem Produkt aus beidem. Die Summe der Produkte, geteilt durch den Depotwert, ergibt die gewichtete Quote direkt — ohne den Umweg über die Prozentanteile. Beide Wege führen zum selben Ergebnis; der zweite ist weniger fehleranfällig, weil keine Zwischenrundung entsteht.
Zwei Punkte werden dabei regelmäßig übersehen. Erstens gehört Bargeld auf dem Verrechnungskonto nicht in die Basis — es trägt keine Fondskosten und würde die Quote künstlich senken. Zweitens ist die TER nicht die vollständige Belastung: Transaktionskosten innerhalb des Fonds, Spreads beim Kauf und Sparplangebühren kommen hinzu. Die Abgrenzung steht unter gewichtete TER.
Ein Portfolio mit vier Positionen durchgerechnet
Ein Modellbeispiel mit gesetzten Werten. Depotwert 27.900 Euro, die günstigste Position mit einer TER von 0,07 Prozent, Betrachtungszeitraum 17 Jahre.
| Position | Depotwert | Anteil | TER | Beitrag |
|---|---|---|---|---|
| Kern global | 18.135 € | 65,0 % | 0,20 % | 0,130 % |
| Ergänzung Schwellenländer | 4.185 € | 15,0 % | 0,18 % | 0,027 % |
| Anleihen | 4.185 € | 15,0 % | 0,07 % | 0,011 % |
| Themenfonds | 1.395 € | 5,0 % | 0,65 % | 0,033 % |
| Portfolio | 27.900 € | 100 % | — | 0,201 % |
Der ungewichtete Durchschnitt der vier Quoten läge bei 0,275 Prozent. Die gewichtete Quote liegt bei 0,201 Prozent — der Unterschied entsteht fast vollständig durch den Themenfonds, dessen hohe TER nur auf 5 Prozent des Depots wirkt.
Auffällig ist die Beitragsspalte. Der Themenfonds trägt mit 0,033 Prozentpunkten mehr zur Portfolioquote bei als die Schwellenländer-Ergänzung mit 0,027 — obwohl er nur ein Drittel von deren Depotanteil hat. Genau solche Verhältnisse macht die Gewichtung sichtbar und der Durchschnitt unsichtbar.
In Euro heißt das: rund 56 Euro laufende Fondskosten im Jahr statt der 77 Euro, die der falsche Rechenweg ausweist. Über 17 Jahre und bei wachsendem Depotwert läuft diese Differenz zu einem dreistelligen Betrag auf.
Modellrechnung, keine Prognose. Die Werte sind gesetzt, nicht erwartet.
Was passiert, wenn eine Position stark wächst
Die gewichtete Quote ist eine Momentaufnahme. Sie verschiebt sich, sobald sich die Gewichte verschieben — und die verschieben sich immer.
Zwei Kräfte wirken dabei gegeneinander:
- Wertentwicklung. Läuft der teure Themenfonds überdurchschnittlich, steigt sein Anteil und mit ihm die Portfolioquote. Aus 5 Prozent Anteil können über Jahre 12 werden, und die Quote klettert von 0,201 auf über 0,24 Prozent — ohne dass ein einziger Kauf stattgefunden hätte.
- Sparplaneinzahlungen. Wer weiter in den günstigen Kernbaustein einzahlt, verschiebt die Gewichte in die andere Richtung und senkt die Quote.
Ein dritter Faktor kommt bei Neukäufen hinzu. Wer eine weitere Position aufnimmt, verändert alle Gewichte gleichzeitig — auch die der Positionen, an denen sich nichts geändert hat. Die Portfolioquote nach dem Kauf lässt sich vorab rechnen, indem der geplante Kaufbetrag als zusätzliche Zeile in die Tabelle eingetragen wird. Das ist der einzige Zeitpunkt, an dem die Kostenfrage noch ohne Verkauf zu beantworten ist.
Praktisch folgt daraus eine einfache Routine: die gewichtete Quote einmal jährlich neu rechnen, am besten zum selben Stichtag wie den Soll-Ist-Abgleich der Gewichte. Auffällig wird es, wenn die Quote steigt, ohne dass ein Fonds seine TER erhöht hat — dann hat sich das Depot verschoben, nicht der Preis.
Wie stark die Quote über lange Zeiträume überhaupt wirkt, steht in TER-Wirkung über die Laufzeit.
Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Modellrechnung mit gesetzten Annahmen, keine Prognose und keine Anlageberatung.
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