Ratgeber
Ein Sparplan durch einen mehrjährigen Kurseinbruch
Ein mehrjähriger Kurseinbruch verändert den Zielpfad anders, als der Kontostand während des Einbruchs vermuten lässt. Der Unterschied liegt darin, ob man Werte oder Anteile zählt.
Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.
Der Verlauf vor dem Einbruch
Der Modellfall setzt gesetzte Werte: 317 Euro monatlich, Renditeannahme 3,9 Prozent im langjährigen Mittel, Laufzeit 11 Jahre, Zielbetrag 447.000 Euro.
In den ersten vier Jahren läuft der Plan ohne Besonderheiten. Eingezahlt werden 15.216 Euro, der Bestand liegt bei rund 16.400 Euro. Die Anteilszahl wächst gleichmäßig, weil auch die Kurse gleichmäßig steigen.
Genau diese Phase prägt die Erwartung — und zwar in einer Weise, die später zum Problem wird. Ein Depot, das vier Jahre lang nur gewachsen ist, wird als „normal" abgespeichert. Der erste längere Rückgang wirkt dann wie ein Bruch, obwohl er zur Anlageform gehört.
Zwei Zahlen gehören deshalb schon in diese Phase notiert:
- Die erwartete Schwankungsbreite. Bei einem breiten Aktienindex sind Rückgänge von 30 bis 50 Prozent historisch vorgekommen. Das Maß dafür beschreibt Maximaler Drawdown.
- Der eigene Umgang damit. Die Frage, ob man bei einem halbierten Depotwert weiter einzahlt, ist im Voraus leichter zu beantworten als mittendrin.
Modellrechnung, keine Prognose. Die Werte sind gesetzt, nicht erwartet.
Die Einbruchsphase: Anteile statt Werte betrachten
Im fünften Jahr fällt der Kurs über 30 Monate um 45 Prozent. Der Depotwert bricht ein, die Einzahlung läuft weiter.
Hier trennen sich zwei Betrachtungsweisen:
| Größe | Vor dem Einbruch | Am Tiefpunkt |
|---|---|---|
| Anteilspreis | 100 € | 55 € |
| Anteile je Rate | 3,17 | 5,76 |
| Bestand in Anteilen | 164 | 322 |
| Depotwert | 16.400 € | 17.710 € |
| Eingezahlt kumuliert | 15.216 € | 24.726 € |
Die Zeile mit dem Depotwert ist die, die man sieht. Die Zeile mit den Anteilen ist die, die zählt.
Während des Einbruchs kauft dieselbe Rate von 317 Euro fast doppelt so viele Anteile wie vorher. Der Bestand in Stück wächst schneller als je zuvor — in einer Phase, in der der Kontostand stagniert oder fällt.
Dass jede Rate dabei vollständig investiert wird, liegt an der Abrechnung in Bruchteilen; ohne sie bliebe bei jeder Ausführung ein Rest liegen. Näheres unter Bruchstück.
Der psychologisch schwierige Teil ist nicht der Verlust, sondern seine Dauer. 30 Monate ohne sichtbaren Fortschritt sind länger, als die meisten Pläne einkalkulieren.
Die Erholungsphase im Zielpfad
Erholt sich der Kurs über die folgenden 36 Monate wieder auf das Ausgangsniveau, passiert etwas, das die reine Kursbetrachtung nicht abbildet.
Der Anteilspreis steht wieder bei 100 Euro — also genau dort, wo er vor dem Einbruch war. Der Bestand liegt aber nicht mehr bei 164 Anteilen, sondern bei über 460, weil während der gesamten Zeit weiter gekauft wurde.
Das Depot steht damit deutlich über dem Punkt, an dem es ohne Einbruch gestanden hätte — bei identischem Kursniveau und identischer Einzahlung.
Drei Bedingungen müssen dafür erfüllt sein, und alle drei sind Verhaltensfragen:
- Der Sparplan lief durch. Jede ausgesetzte Rate fehlt genau in der Phase mit den günstigsten Kursen.
- Es wurde nichts verkauft. Ein Verkauf am Tiefpunkt macht den Effekt unumkehrbar zunichte.
- Die Kurse erholten sich. Diese Annahme ist die einzige, die nicht in der eigenen Hand liegt — und sie ist eine Annahme, keine Gewissheit.
Punkt 3 verdient die Betonung. Das Modell unterstellt eine Erholung. Ein Index kann über sehr lange Zeiträume unter seinem Ausgangswert bleiben; die Schwankungsbreite beschreibt Volatilität, nicht die Richtung.
Was der Plan über den gesamten Zeitraum zeigt
Über die vollen 11 Jahre betrachtet ergibt sich ein Bild, das während des Einbruchs niemand sieht.
| Zeitpunkt | Eingezahlt | Bestand | Anteile |
|---|---|---|---|
| Jahr 4 | 15.216 € | 16.400 € | 164 |
| Jahr 7 (Tiefpunkt) | 26.628 € | 19.100 € | 347 |
| Jahr 10 | 38.040 € | 46.900 € | 469 |
| Jahr 11 | 41.844 € | 52.100 € | 507 |
Im siebten Jahr steht der Bestand rund 7.500 Euro unter der Einzahlungssumme. Das ist der Moment, in dem Pläne abgebrochen werden — und rechnerisch der ungünstigste.
Der Zielbetrag von 447.000 Euro bleibt in diesem Modell außer Reichweite; dafür wäre eine deutlich höhere Rate oder eine erheblich längere Laufzeit nötig. Diese Feststellung gehört dazu: Der Einbruch ist nicht der Grund, warum das Ziel nicht erreicht wird.
Was der Fall zeigt, ist etwas anderes — nämlich dass ein mehrjähriger Rückgang für einen laufenden Sparplan kein Schaden am Plan ist, sondern eine Phase mit günstigeren Einstandspreisen. Schaden entsteht erst durch die Reaktion darauf: Aussetzen, Verkaufen oder das Umstellen der Strategie mitten im Rückgang.
Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Modellrechnung mit gesetzten Annahmen, keine Prognose und keine Anlageberatung. Eine Erholung nach einem Rückgang ist nicht garantiert.
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