Zum Inhalt springen
StartRatgeberSparplan bei schwankendem Einkommen aufstellen

Ratgeber

Sparplan bei schwankendem Einkommen aufstellen

Ein Einkommen zwischen 1.900 und 5.400 Euro im Monat verträgt keine feste Sparrate an der Obergrenze. Die Frage ist nicht, wie viel im guten Monat geht, sondern wie viel im schlechtesten noch trägt.

Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.

Ausgangslage: gute und schwache Monate

Schwankende Einkommen entstehen aus unterschiedlichen Quellen, und die Unterschiede sind planungsrelevant:

  • Projektbezogene Selbstständigkeit. Große Ausschläge, teils monatelange Lücken zwischen Rechnungen, dafür planbare Auftragsvolumina.
  • Provisions- oder Umsatzanteile. Ein fester Sockel plus variabler Teil — der Sockel ist die verlässliche Größe.
  • Saison- und Schichtarbeit. Regelmäßiges Muster über das Jahr, das sich aus dem Vorjahr ableiten lässt.
  • Teilzeit mit wechselndem Umfang. Mittlere Ausschläge, oft kurzfristig bekannt.

Der erste Arbeitsschritt ist in allen vier Fällen derselbe und braucht keine Prognose: die letzten zwölf bis achtzehn Monate auflisten, Netto-Zufluss je Monat, ohne Glättung.

Aus dieser Liste kommen drei Zahlen, die den ganzen Plan tragen:

  1. Das Minimum. Der schlechteste Monat im Zeitraum.
  2. Der Median. Der mittlere Monat — belastbarer als der Durchschnitt, weil einzelne Ausreißer ihn nicht verzerren.
  3. Die Summe. Der Jahreszufluss insgesamt.

Der verbreitete Fehler liegt darin, die Sparrate am Durchschnitt oder gar an einem guten Monat auszurichten. Beides führt dazu, dass der Plan in schwachen Monaten gerissen wird — und was ein Aussetzen kostet, steht in Folgen einer Pause.

Die Basisrate als unterste verlässliche Größe

Die Basisrate wird aus dem Minimum abgeleitet, nicht aus dem Median. Sie ist der Betrag, der auch im schlechtesten Monat abgeht, ohne dass ein Dispo entsteht.

Der Rechenweg hat vier Schritte:

  1. Vom Minimum die Fixkosten abziehen. Miete, Versicherungen, Kredite, Beiträge — alles, was unabhängig vom Einkommen anfällt.
  2. Die variablen Grundkosten abziehen. Lebensmittel, Mobilität, Strom, in einer realistischen und nicht in einer sparsamen Schätzung.
  3. Die Steuer- und Beitragsrücklage abziehen. Bei Selbstständigen der mit Abstand wichtigste Posten. Einkommensteuer-Vorauszahlungen und Krankenversicherungsbeiträge gehören auf ein eigenes Konto, nicht in den Sparplan.
  4. Vom Rest höchstens die Hälfte als Basisrate ansetzen. Die andere Hälfte bleibt Puffer.

Ein Modellbeispiel mit gesetzten Werten: 218 Euro monatlich als Basisrate, Laufzeit 11 Jahre, Renditeannahme 3,7 Prozent. Über die Laufzeit ergeben sich 28.776 Euro Einzahlung; der Zielbetrag von 516.000 Euro liegt weit außerhalb dessen, was diese Rate trägt.

Diese Feststellung gehört an den Anfang und nicht ans Ende. Eine Basisrate, die verlässlich läuft, ist einem ambitionierten Zielbetrag vorzuziehen, der nach acht Monaten scheitert — der Zielbetrag lässt sich anpassen, ein abgebrochener Plan nur mit Verlust neu starten.

Modellrechnung, keine Prognose. Die Werte sind gesetzt, nicht erwartet.

Sonderzahlungen aus starken Monaten einbauen

Der zweite Baustein fängt auf, was die konservative Basisrate liegen lässt. Er funktioniert nur mit einer festen Regel — ohne Regel wird das Geld ausgegeben.

Bewährt hat sich eine Prozentregel statt eines festen Betrags: Von allem, was über dem Median liegt, geht ein definierter Anteil in den Plan. Ein Beispiel mit 40 Prozent:

MonatZuflussüber Median (2.800 €)Sonderzahlung 40 %
März1.900 €0 €
Juni3.600 €800 €320 €
September5.400 €2.600 €1.040 €
Dezember2.900 €100 €40 €

Die Regel hat drei Vorteile. Sie braucht keine Prognose, sie skaliert mit dem tatsächlichen Ergebnis, und sie lässt in guten Monaten genug übrig, damit sie sich nicht wie eine Strafe anfühlt.

Technisch werden Sonderzahlungen als Einmalkauf ausgeführt, nicht durch Erhöhung des Sparplans. Der Sparplan bleibt auf der Basisrate stehen — genau das ist seine Aufgabe. Wie die beiden Größen zusammenspielen, steht unter Sparlücke und Sparplanausführung.

Der Zielpfad bei unregelmäßigen Einzahlungen

Ein Zielpfad, der monatlich gleiche Beträge unterstellt, passt hier nicht. Er meldet in jedem schwachen Monat einen Rückstand, der keiner ist, und beruhigt nach jedem starken Monat zu früh.

Zwei Anpassungen machen ihn brauchbar:

  • Jährlich statt monatlich abgleichen. Der sinnvolle Vergleichspunkt ist die Jahressumme aus Basisraten und Sonderzahlungen gegen den Jahres-Sollwert. Monatliche Abweichungen sind Rauschen.
  • Mit zwei Linien arbeiten. Eine untere Linie aus der Basisrate allein — sie zeigt, was auch im schlechtesten Jahr erreicht wird. Eine obere Linie mit den erwarteten Sonderzahlungen. Der reale Verlauf liegt dazwischen.

Die untere Linie ist die wichtigere. Sie beantwortet die einzige Frage, die bei schwankendem Einkommen wirklich zählt: Wird das Ziel auch dann erreicht, wenn keine guten Monate mehr kommen?

Fällt die Antwort negativ aus, gibt es drei Stellschrauben — Zielbetrag senken, Termin strecken, Basisrate erhöhen. Die dritte ist bei schwankendem Einkommen die riskanteste und sollte erst nach zwölf Monaten stabiler Praxis gezogen werden, nicht am Anfang.

Ein letzter Punkt zur Reihenfolge: Vor dem ersten Euro im Sparplan steht ein Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto. Bei schwankendem Einkommen eher sechs. Ohne diesen Puffer ist jeder Sparplan nur die Vorstufe eines Verkaufs zum ungünstigen Zeitpunkt.


Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Modellrechnung mit gesetzten Annahmen, keine Prognose und keine Anlageberatung.

Passt dazu

Verwandte Seiten im Ratgeber