Ratgeber
Zielbetrag real statt nominal festlegen
Ein Zielbetrag ohne Kaufkraftbezug beschreibt eine Zahl, nicht das, was du dir davon leisten kannst. Über zweistellige Laufzeiten ist der Unterschied zwischen beidem größer als jede Renditediskussion.
Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.
Der nominale Zielbetrag und seine Schwäche
Ein nominaler Zielbetrag ist eine reine Geldsumme: „Ich möchte 352.000 Euro haben." Die Zahl ist eindeutig, überprüfbar und in jeder Rechnung leicht zu verwenden.
Ihre Schwäche zeigt sich erst am Ziel. Was die Summe dann wert ist, hängt davon ab, wie stark die Preise in der Zwischenzeit gestiegen sind — und diese Größe steht in keiner der üblichen Sparplanrechnungen.
Drei Situationen machen den Mangel konkret:
- Ein Zielbetrag für den Ruhestand. Er soll eine monatliche Entnahme tragen. Wie viel Entnahme daraus wird, hängt am Preisniveau des Entnahmejahres, nicht am heutigen.
- Ein Zielbetrag für eine Anschaffung. Der Preis der Sache steigt mit, die Zielsumme nicht.
- Ein Zielbetrag als Reserve. Sechs Monatsausgaben heute sind in fünfzehn Jahren keine sechs Monatsausgaben mehr.
Der gemeinsame Nenner: In allen drei Fällen ist nicht die Summe das Ziel, sondern das, was sie leisten soll. Was diese Größe beschreibt, steht unter Kaufkraft.
Nominal zu planen ist deshalb nicht falsch — es ist unvollständig, solange die zweite Zahl fehlt.
Die Kaufkraftrechnung Schritt für Schritt
Die Umrechnung braucht drei Angaben: den nominalen Betrag, die Laufzeit und eine Annahme zur Geldentwertung.
Schritt 1 — den Abwertungsfaktor bilden. Er ist (1 + Inflationsrate) hoch Laufzeit. Bei 2 Prozent und 11 Jahren: 1,02^11 = 1,2434.
Schritt 2 — den nominalen Betrag durch den Faktor teilen. 352.000 € ÷ 1,2434 = 283.100 € in heutiger Kaufkraft.
Schritt 3 — die Gegenrichtung rechnen. Wenn 352.000 Euro in heutiger Kaufkraft gebraucht werden, lautet das nominale Ziel 352.000 × 1,2434 = 437.700 €.
| Annahme | 11 Jahre | 20 Jahre | 30 Jahre |
|---|---|---|---|
| 2 % | −19,6 % | −32,7 % | −44,8 % |
| 3 % | −27,5 % | −44,6 % | −58,8 % |
Die Tabelle zeigt den Kaufkraftverlust einer festen Summe. Bei 3 Prozent über 30 Jahre bleiben von einer Zahl weniger als die Hälfte ihres heutigen Werts übrig — ohne dass ein Euro verloren gegangen wäre.
Ein Modellbeispiel mit gesetzten Werten ordnet das ein: 263 Euro monatlich über 11 Jahre bei 4,8 Prozent Renditeannahme ergeben rund 34.700 Euro Einzahlung. Der Zielbetrag von 352.000 Euro liegt weit darüber — und real betrachtet noch weiter. Welche Zahl der Umrechnung zugrunde liegt, steht unter Inflationsrate.
Modellrechnung, keine Prognose. Die Werte sind gesetzt, nicht erwartet.
Beide Größen nebeneinander
Die brauchbarste Darstellung zeigt beide Zahlen gleichzeitig, weil jede für etwas anderes gebraucht wird.
| Zweck | Passende Größe |
|---|---|
| Depotstand ablesen | nominal |
| Sparrate berechnen | nominal |
| Zielerreichung beurteilen | real |
| Entnahmehöhe planen | real |
| Fortschritt über Jahre vergleichen | real |
Die letzte Zeile ist die praktisch wichtigste. Ein Depot, das in fünf Jahren von 40.000 auf 52.000 Euro gewachsen ist, sieht nominal nach 30 Prozent Zuwachs aus. Bei 2,5 Prozent jährlicher Geldentwertung sind es real knapp 15 Prozent — immer noch ein Zuwachs, aber ein anderer.
Für die Renditeseite gilt dasselbe. Eine Renditeannahme von 4,8 Prozent bei 2 Prozent Geldentwertung entspricht real rund 2,7 Prozent. Diese Zahl ist die ehrlichere Planungsgrundlage; sie steht unter Realrendite.
Wer beide Größen führt, vermeidet zwei entgegengesetzte Fehler: die Zufriedenheit mit einem nominal wachsenden Depot, das real stagniert — und die Enttäuschung über eine reale Rendite, die man mit einer nominalen Erwartung vergleicht.
Wie du den Zielbetrag real festschreibst
Real zu planen heißt nicht, ständig umzurechnen. Es heißt, die Definition einmal richtig zu setzen und dann jährlich nachzuziehen.
Vier Schritte reichen:
- Das Ziel in heutigen Euro formulieren und das Bezugsjahr dazuschreiben: „280.000 € in Kaufkraft von 2026."
- Eine Annahme zur Geldentwertung festlegen und ebenfalls notieren. 2 Prozent ist ein gebräuchlicher Ansatz; die eigene Wahl ist wichtiger als ihre Höhe.
- Den nominalen Zielwert jährlich fortschreiben, indem er mit der Annahme multipliziert wird. Aus 280.000 werden im nächsten Jahr 285.600, im übernächsten 291.300.
- Die Sparrate am fortgeschriebenen Ziel messen, nicht am ursprünglichen.
Der vierte Schritt ist der, der die Methode wirksam macht. Ohne ihn bleibt die reale Betrachtung eine Randnotiz; mit ihm führt sie automatisch zu einer Dynamik in der Sparrate.
Eine Vereinfachung für den Alltag: Wer die Sparrate ohnehin jährlich um die angenommene Geldentwertung erhöht, hält den realen Bezug näherungsweise ohne weitere Rechnung. Der Zielbetrag wächst dann in derselben Größenordnung wie die Einzahlungen.
Was diese Methode nicht leistet: Sie schützt nicht vor einer Geldentwertung, die höher ausfällt als angenommen. Sie macht die Abweichung nur früh sichtbar — und das ist der ganze Zweck.
Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Modellrechnung mit gesetzten Annahmen. Die künftige Preisentwicklung ist nicht vorhersehbar; keine Anlageberatung.
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