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Fünf Behauptungen über ETF-Kosten im Rechen-Check

Fünf Behauptungen über ETF-Kosten halten sich hartnäckig, obwohl vier davon an der Rechnung scheitern. Die fünfte stimmt — nur aus einem anderen Grund als meist genannt.

Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.

Behauptung: die TER ist die Gesamtkostenquote

Der Name legt es nahe: Total Expense Ratio, also Gesamtkostenquote. Tatsächlich erfasst die Kennzahl nur die laufenden Verwaltungskosten des Fonds — und lässt mehrere Posten aus, die real anfallen.

Nicht enthalten sind:

  • Transaktionskosten innerhalb des Fonds. Jede Indexanpassung erzeugt Käufe und Verkäufe auf Fondsebene. Diese Kosten mindern den Anteilspreis, tauchen in der TER aber nicht auf.
  • Swap-Gebühren bei synthetisch replizierenden Fonds.
  • Der Spread beim eigenen Kauf. Die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs ist eine Kostengröße, die den Fonds nicht betrifft, dich aber sehr wohl.
  • Ordergebühren und Sparplanentgelte deiner Depotbank.
  • Gegenläufig: Erträge aus Wertpapierleihe, die den Fonds verbilligen können.

Der letzte Punkt zeigt, warum die TER auch nach oben ungenau ist. Die einzige Größe, die alle Effekte zusammenfasst, ist die Tracking-Differenz — der tatsächliche Abstand zwischen Fondsergebnis und Indexergebnis. Details dazu stehen unter Tracking-Differenz und TER.

Befund: Die Behauptung ist falsch. Die TER ist eine Teilkostenquote mit irreführendem Namen.

Behauptung: günstiger Fonds gleich besseres Ergebnis

Diese Behauptung folgt logisch aus der ersten — und fällt mit ihr. Wenn die TER nicht alle Kosten erfasst, kann der Fonds mit der niedrigeren TER teurer sein als der mit der höheren.

Genau das kommt vor. Ein Fonds mit 0,20 Prozent TER, guter Wertpapierleihe und effizienter Replikation kann eine niedrigere Tracking-Differenz aufweisen als einer mit 0,12 Prozent TER und ungünstiger Steuerbehandlung von Dividenden.

Drei Faktoren entscheiden neben der TER:

  1. Die Replikationsmethode. Voll, optimiert oder synthetisch — jede hat eigene Kosten- und Abweichungsmuster.
  2. Das Fondsdomizil. Es bestimmt, wie viel Quellensteuer auf Dividenden zurückgeholt werden kann. Der Effekt liegt bei global anlegenden Fonds im Bereich mehrerer Zehntel Prozentpunkte.
  3. Das Fondsvolumen. Sehr kleine Fonds tragen Fixkosten auf wenig Vermögen und werden häufiger geschlossen oder verschmolzen.

Befund: Die Behauptung ist falsch. Der Vergleich muss über die Tracking-Differenz mehrerer Jahre laufen, nicht über die TER.

Behauptung: Sparplangebühren sind vernachlässigbar

Hier hängt alles an der Ratenhöhe — und die Behauptung ist deshalb nur für einen Teil der Fälle richtig.

RateGebühr 1,50 € je AusführungAnteil der Jahreseinzahlung
25 €18 € im Jahr6,0 %
100 €18 € im Jahr1,5 %
250 €18 € im Jahr0,6 %
500 €18 € im Jahr0,3 %

Bei 25 Euro Rate übersteigt die Gebühr die laufenden Fondskosten um ein Vielfaches. Bei 500 Euro liegt sie in derselben Größenordnung wie eine gute TER — und ist damit tatsächlich zweitrangig.

Bemerkenswert ist die Reihenfolge der Aufmerksamkeit: Die Diskussion über 0,05 Prozentpunkte TER-Unterschied wird deutlich häufiger geführt als die über eine Pauschalgebühr, die bei kleinen Raten das Zwanzigfache davon ausmacht.

Zwei Auswege gibt es. Der erste ist der Wechsel zu einem Anbieter mit kostenfreier Sparplanausführung — verbreitet, aber oft an Aktionszeiträume oder bestimmte Fonds gebunden, die später wegfallen können. Der zweite ist ein größeres Intervall: vier statt zwölf Ausführungen senken die Jahresgebühr auf ein Drittel, ohne den Anbieter zu wechseln.

Befund: Die Behauptung ist falsch für kleine Raten und richtig für große. Die Schwelle liegt grob bei 150 bis 200 Euro monatlich.

Behauptung: Kosten spielen bei langer Laufzeit keine Rolle

Diese Behauptung dreht die Wirkung um. Tatsächlich wächst der Kosteneffekt mit der Laufzeit stärker als linear, weil er auf einen wachsenden Bestand wirkt und die entgangenen Erträge auf die abgezogenen Kosten mitverloren gehen.

Ein Modellbeispiel mit gesetzten Werten: Depotwert 43.200 Euro, günstige Position mit 0,07 Prozent TER, Betrachtungszeitraum 29 Jahre.

KostenquoteAbzug im ersten JahrKumulierter Effekt über 29 Jahre
0,07 %rund 30 €niedriger vierstelliger Bereich
0,35 %rund 151 €mittlerer fünfstelliger Bereich

Die Differenz zwischen beiden Zeilen entsteht nicht nur aus den 121 Euro Mehrkosten im ersten Jahr, sondern daraus, dass diese Summe in jedem Folgejahr fehlt und selbst keine Erträge mehr erwirtschaftet.

Befund: Die Behauptung ist falsch — und zwar am deutlichsten von allen vieren. Lange Laufzeit ist der Fall, in dem Kosten am meisten wiegen.

Bleibt die fünfte Behauptung: dass Kosten überhaupt die wichtigste Stellschraube seien. Die stimmt in einem engen Sinn — sie sind die einzige Größe im Plan, die sicher bekannt und vollständig beeinflussbar ist. Nur ist ihr absoluter Beitrag kleiner als der von Rate und Laufzeit. Wie sich die Kosten über mehrere Positionen zusammensetzen, steht in Gewichtete Gesamtkosten.

Modellrechnung, keine Prognose. Die Werte sind gesetzt, nicht erwartet.


Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Modellrechnung mit gesetzten Annahmen, keine Prognose und keine Anlageberatung.

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