Ratgeber
Drei Behauptungen über den richtigen Einstiegszeitpunkt
Timing-Behauptungen zielen fast immer auf den Einmalkauf und treffen die Sparplan-Situation deshalb nicht. Wer sie trotzdem anwendet, optimiert eine Entscheidung, die er gar nicht trifft.
Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.
Behauptung: warten, bis die Kurse gefallen sind
Die Behauptung setzt zwei Dinge voraus, die getrennt betrachtet werden müssen: dass ein Rückgang kommt, und dass man ihn als solchen erkennt, während er läuft.
Der erste Teil ist unstrittig — Rückgänge kommen. Der zweite ist das Problem. Ein Rückgang ist erst im Rückblick einer; während er stattfindet, ist unbekannt, ob er bei minus 5 oder minus 35 Prozent endet.
Praktisch führt die Regel zu einem Verhalten, das sich gut beobachten lässt: Wer auf einen Rückgang wartet, kauft auch dann nicht, wenn er eintritt — weil es dann so aussieht, als ginge es weiter abwärts. Die Wartezeit endet meist erst, wenn die Kurse wieder über dem Ausgangsniveau liegen.
Für den Sparplan ist die Frage ohnehin anders gestellt. Er kauft in jedem Marktzustand, also auch in jedem Rückgang. Die Regel „auf fallende Kurse warten" ist für ihn nicht falsch, sondern gegenstandslos — er tut es bereits.
Befund: Für den Einmalkauf nicht umsetzbar, für den Sparplan gegenstandslos. Der einzige verwertbare Kern: Wer Geld für einen Nachkauf zurücklegt, sollte vorher festlegen, bei welchem Rückgang er kauft — sonst passiert es nicht.
Behauptung: der Monatserste ist der beste Termin
Diese Behauptung ist überprüfbar, und die Prüfung fällt eindeutig aus: Der Ausführungstag spielt für das Ergebnis keine erkennbare Rolle.
Der Grund ist die Größenordnung. Die durchschnittliche Tagesschwankung eines breiten Aktienindex liegt im Bereich von unter einem Prozent. Über eine Sparplanlaufzeit mit 132 oder mehr Ausführungen mitteln sich diese Unterschiede heraus.
Ein Modellbeispiel mit gesetzten Werten: 276 Euro monatlich über 11 Jahre bei 6,6 Prozent Renditeannahme, Zielbetrag 143.000 Euro. Ein systematischer Vorteil von 0,1 Prozent je Ausführung würde über die gesamte Laufzeit weniger ausmachen als eine einzige zusätzliche Monatsrate.
Zwei Dinge sind am Termin trotzdem relevant, nur nicht die vermuteten:
- Die Deckung auf dem Konto. Der Termin sollte nach dem Gehaltseingang liegen, sonst platzt die Ausführung.
- Der Handelszeitpunkt innerhalb des Tages. Er beeinflusst den Spread, also die Handelsspanne. Ausführungen außerhalb der Haupthandelszeiten sind tendenziell teurer.
Der zweite Punkt ist der einzige mit messbarer Wirkung — und er hängt am Anbieter, nicht am Datum. Wie die Ausführung technisch abläuft, steht unter Sparplanausführung.
Befund: Falsch, was das Datum angeht. Richtig, was die Kontodeckung und die Tageszeit angeht.
Modellrechnung, keine Prognose. Die Werte sind gesetzt, nicht erwartet.
Behauptung: nach einem Hoch nicht mehr einsteigen
Die Behauptung klingt vorsichtig und ist es nicht. Sie unterstellt, dass ein Höchststand etwas über die weitere Entwicklung aussagt.
Zwei Beobachtungen sprechen dagegen:
- Höchststände sind der Normalzustand eines langfristig steigenden Marktes. Ein Index, der über Jahrzehnte zulegt, verbringt einen erheblichen Teil der Zeit nahe seinem bisherigen Maximum. Wer Höchststände meidet, meidet einen Großteil aller möglichen Kaufzeitpunkte.
- Der bisherige Höchststand enthält keine Information über den nächsten. Er ist eine Aussage über die Vergangenheit.
Was tatsächlich zählt, ist die Schwankungsbreite, mit der zu rechnen ist — und die ist unabhängig vom aktuellen Niveau. Sie beschreibt die Volatilität, und sie sagt: Ein Rückgang um 20 oder 30 Prozent kann jederzeit eintreten, nach einem Hoch wie nach einem Tief.
Die daraus folgende Regel ist unspektakulär: Wer einen Rückgang dieser Größenordnung nicht aushalten kann, ohne zu verkaufen, hat ein Problem mit der Anlageform — nicht mit dem Einstiegszeitpunkt.
Befund: Falsch. Der Höchststand ist kein Signal, sondern eine Beschreibung des Ist-Zustands.
Was für einen laufenden Sparplan tatsächlich gilt
Nach drei geprüften Behauptungen bleibt eine kurze Liste dessen, was für einen laufenden Plan wirklich zählt.
Erstens: dass er läuft. Die Ausführung ohne erneute Entscheidung ist der wichtigste Vorteil des Instruments. Jede Timing-Überlegung setzt ihn außer Kraft.
Zweitens: die Rate. Sie bestimmt das Ergebnis um Größenordnungen stärker als jeder Ausführungstag. Wer Zeit in Optimierung investiert, investiert sie hier am besten.
Drittens: die Kosten je Ausführung. Anders als der Zeitpunkt sind sie bekannt, konstant und beeinflussbar.
Viertens: das Verhalten im Rückgang. Die einzige Timing-Entscheidung, die ein Sparplananleger tatsächlich trifft, ist die, ob er in einer schwachen Phase aussetzt. Sie ist auch die einzige mit messbaren Folgen.
Der vierte Punkt verdient eine Zahl: Wer in einem zwölfmonatigen Rückgang aussetzt und erst nach der Erholung wieder einsteigt, verpasst genau die Ausführungen mit den niedrigsten Kursen der gesamten Laufzeit. Das ist das Gegenteil dessen, was die erste geprüfte Behauptung empfiehlt — und passiert regelmäßig denselben Anlegern.
Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Modellrechnung mit gesetzten Annahmen, keine Prognose und keine Anlageberatung. Vergangene Kursverläufe sagen nichts über künftige.
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