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Der Übergang vom Ansparen zum Entnehmen

Zwischen letzter Sparrate und erster Entnahme liegt eine eigene Phase mit eigenen Regeln. Sie beginnt deutlich früher, als die meisten Pläne vorsehen — und sie ist der Abschnitt, in dem sich Fehler am wenigsten korrigieren lassen.

Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.

Fünf Jahre vor Entnahmestart

Fünf Jahre vorher ändert sich nicht das Depot, sondern die Frage. Bis hierhin lautete sie: Wie viel kommt zusammen? Ab jetzt: Wie viel trägt daraus wie lange?

Drei Arbeitsschritte gehören in dieses Jahr:

  1. Den Kapitalstand ehrlich festhalten. Nicht den geplanten, sondern den tatsächlichen. Ein Modellbeispiel mit gesetzten Werten: 213.000 Euro Kapital, geplante Entnahme 1.140 Euro monatlich, Beginn ab 58, Dauer 19 Jahre.
  2. Die Entnahmehöhe aus dem Kapital ableiten, nicht aus dem Wunsch. 1.140 Euro monatlich entsprechen 13.680 Euro im Jahr, also rund 6,4 Prozent des Kapitals. Das ist eine hohe Quote für einen Zeitraum von 19 Jahren.
  3. Die Lücke benennen. Wenn die abgeleitete Entnahme unter dem Bedarf liegt, gibt es fünf Jahre, um zu reagieren — später nicht mehr.

Der zweite Punkt ist der unbequemste. Bei 6,4 Prozent Entnahmequote hängt das Ergebnis stark davon ab, wie die ersten Jahre laufen. Was die Größe genau ausdrückt, steht unter Entnahmerate.

Was in dieser Etappe nicht ansteht: eine Umschichtung. Fünf Jahre sind genug Zeit, um Schwankung auszuhalten; wer jetzt schon in kurzlaufende Anlagen wechselt, verschenkt die letzten ertragsstarken Jahre.

Modellrechnung, keine Prognose. Die Werte sind gesetzt, nicht erwartet.

Drei Jahre vorher: den Puffer aufbauen

Ab hier beginnt die eigentliche Umstellung. Ihr Ziel ist ein Betrag, der zwei bis drei Jahresentnahmen abdeckt und nicht am Kapitalmarkt schwankt.

Im Modellfall wären das bei 13.680 Euro Jahresentnahme rund 27.000 bis 41.000 Euro auf Tagesgeld oder in kurzlaufenden Anlagen.

Der Zweck dieses Puffers ist genau einer: Er verhindert, dass in einem schwachen Jahr Anteile verkauft werden müssen. Genau dieser Zwang ist das Sequenzrisiko — ein Kursrückgang in den ersten Entnahmejahren wirkt ungleich stärker als derselbe Rückgang zehn Jahre später, weil die verkauften Anteile für die Erholung nicht mehr zur Verfügung stehen.

Der Aufbau läuft über drei Jahre, nicht auf einmal:

  • Jahr −3: Sparraten fließen nicht mehr in den ETF, sondern in den Puffer.
  • Jahr −2: Ausschüttungen werden nicht mehr wiederangelegt, sondern gehen in den Puffer.
  • Jahr −1: Falls noch eine Lücke bleibt, wird gezielt in einer starken Marktphase verkauft.

Die Reihenfolge ist bewusst so gewählt: Sie nutzt zuerst laufende Mittel und erst zuletzt Substanz.

Das letzte Jahr vor der ersten Entnahme

Im letzten Jahr wird aus dem Plan eine Ablauforganisation. Sechs Punkte gehören geklärt, bevor die erste Entnahme läuft:

PunktZu klären
Entnahmerhythmusmonatlich, quartalsweise oder jährlich
QuellePuffer zuerst, Depot nachrangig
Verkaufslogikwelche Position, welche Tranche
Steuerabzugwie viel bleibt netto übrig
Freistellungsauftragauf die Entnahmephase angepasst
Untergrenzeab welchem Kapitalstand wird gekürzt

Der vierte Punkt wird am häufigsten unterschätzt. Eine Entnahme von 1.140 Euro ist keine Nettogröße: Beim Verkauf fällt Abgeltungsteuer auf den enthaltenen Gewinnanteil an. Je länger das Depot lief, desto größer ist dieser Anteil — und desto größer die Differenz zwischen verkauftem Betrag und ausgezahltem Geld. Wie der Verkauf technisch abläuft, steht unter Teilverkauf.

Der sechste Punkt ist die Notbremse. Eine feste Regel — etwa: sinkt das Kapital unter 60 Prozent des Startwerts, wird die Entnahme um 15 Prozent gekürzt — wirkt nur, wenn sie vor dem ersten Entnahmemonat feststeht. Mitten in einem Kursrückgang wird sie nicht mehr beschlossen.

Die ersten zwölf Monate der Entnahme

Das erste Entnahmejahr ist ein Testlauf mit echtem Geld. Vier Dinge zeigen sich darin, die vorher nur Annahmen waren.

Erstens der tatsächliche Bedarf. Er weicht fast immer vom geplanten ab — meist nach oben, weil der Übergang in den Ruhestand eigene Kosten hat. Ein Abgleich nach sechs Monaten ist sinnvoller als einer nach zwölf.

Zweitens die Nettogröße. Nach der ersten Steuerbescheinigung steht fest, wie viel von der Bruttoentnahme wirklich ankommt. Erst dann lässt sich die Entnahmehöhe belastbar festlegen.

Drittens der Aufwand. Monatliche Verkäufe erzeugen zwölf Vorgänge und zwölf Gebühren. Viele stellen nach dem ersten Jahr auf quartalsweise um — der Puffer macht das ohne Nachteil möglich.

Viertens die eigene Reaktion auf Schwankung. Ein Depot, das nicht mehr wächst, sondern schrumpft, fühlt sich anders an. Wer das im ersten Jahr erlebt, trifft die Folgeentscheidungen mit besserer Grundlage.

Am Ende der zwölf Monate steht ein Abgleich mit drei Zahlen: entnommener Betrag, Kapitalstand, verbleibende Reichweite. Weicht die Reichweite um mehr als zwei Jahre vom Plan ab, ist die Entnahmehöhe zu korrigieren — im zweiten Jahr geht das noch ohne größeren Einschnitt, im achten nicht mehr.


Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Modellrechnung mit gesetzten Annahmen, keine Prognose und keine Anlageberatung.

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