Glossar
Sequenzrisiko: wenn die Reihenfolge über das Ergebnis entscheidet
Das Sequenzrisiko beschreibt, dass die Reihenfolge der Jahresrenditen das Ergebnis verändert, sobald Zahlungen fließen. Bei einer einmaligen Anlage ohne Ein- und Auszahlungen existiert es nicht.
Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.
Was das Risiko ausmacht
Ohne Zahlungsströme ist die Reihenfolge gleichgültig: Ob ein Depot erst um 20 Prozent steigt und dann um 10 fällt oder umgekehrt, führt zum selben Endwert. Multiplikation ist vertauschbar.
Sobald aber regelmäßig Geld hinein- oder herausfließt, ändert sich das. Der Grund ist, dass jede Zahlung auf einen unterschiedlich großen Bestand trifft:
- In der Ansparphase ist eine schwache Anfangsphase eher günstig. Die Raten kaufen zu niedrigen Kursen ein, und der große Bestand kommt erst später zusammen — wenn dann gute Jahre folgen, wirken sie auf ein hohes Kapital.
- In der Entnahmephase kehrt sich das um. Schwache Jahre zu Beginn zwingen dazu, für denselben Eurobetrag mehr Anteile zu verkaufen. Diese Anteile fehlen dauerhaft und können an der späteren Erholung nicht mehr teilnehmen.
Der zweite Punkt ist der Kern des Problems. Zwei Ruheständler mit identischem Startkapital, identischer Entnahme und identischer Durchschnittsrendite über dreißig Jahre können völlig verschieden dastehen — allein weil bei dem einen die schwachen Jahre am Anfang und beim anderen am Ende lagen.
Die Wirkung ist am größten in den ersten fünf bis zehn Entnahmejahren und nimmt danach ab.
Abgrenzung zum allgemeinen Marktrisiko
Beide Begriffe beschreiben Folgen schwankender Kurse und sind trotzdem nicht dasselbe.
| Allgemeines Marktrisiko | Sequenzrisiko | |
|---|---|---|
| Was schwankt | die Höhe der Renditen | ihre zeitliche Abfolge |
| Betrifft | jede Anlage | nur Anlagen mit Zahlungsströmen |
| Wirkt auch bei | einmaliger Anlage | nur bei Sparplan oder Entnahme |
| Gegenmaßnahme | Streuung, Anlagehorizont | Liquiditätspuffer, flexible Entnahme |
Die letzte Zeile ist die praktisch wichtige. Gegen Marktrisiko hilft Zeit — gegen Sequenzrisiko hilft Zeit gerade nicht, weil es genau dann zuschlägt, wenn die Zeit knapp wird. Wirksam sind stattdessen ein Puffer, der die ersten Entnahmejahre unabhängig vom Kursverlauf macht, und eine Entnahmeregel, die in schwachen Jahren nach unten anpassen darf.
Nicht zu verwechseln ist das Sequenzrisiko mit dem maximalen Drawdown: Der misst die Tiefe eines Rückgangs, das Sequenzrisiko seinen Zeitpunkt. Zwei Reihen mit identischem Mittelwert stellt Renditereihenfolge verstehen gegenüber; den konkreten Verlauf zeigt Entnahme in schwachen Jahren.
Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Diese Seite beschreibt einen Risikomechanismus und enthält keine Empfehlung zu Entnahmehöhe oder Anlagestruktur.
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