Glossar
Total-Return-Index: Ausschüttungen zählen mit
Ein Total-Return-Index rechnet Ausschüttungen so, als würden sie sofort wieder angelegt. Er beschreibt damit die Gesamtrendite einer Anlage und nicht nur ihre Kursentwicklung.
Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.
Wie Dividenden einfließen
Am Ausschüttungstermin sinkt der Kurs einer Aktie rechnerisch um den ausgeschütteten Betrag. Ein reiner Kursindex bildet nur diesen Rückgang ab — die Ausschüttung selbst verschwindet aus seiner Rechnung.
Der Total-Return-Index schließt diese Lücke. Er unterstellt, dass die Ausschüttung am Ex-Tag zum dann gültigen Kurs in denselben Index reinvestiert wird. Der Kursrückgang und die Wiederanlage heben sich damit rechnerisch auf.
Zwei Varianten sind zu unterscheiden:
- Gross Total Return. Die Wiederanlage erfolgt mit dem vollen Bruttobetrag, ohne Abzug von Quellensteuer.
- Net Total Return. Es wird ein Quellensteuerabzug unterstellt, üblicherweise nach den Sätzen für einen bestimmten fiktiven Anleger.
Wann die Wiederanlage rechnerisch stattfindet, legt der Ausschüttungstermin fest — maßgeblich ist der Ex-Tag, nicht der Tag der Gutschrift.
Für die Beurteilung eines ETF ist fast immer die Net-Variante die richtige Vergleichsgröße, weil auch ein realer Fonds Quellensteuer trägt. Wird ein Fonds gegen die Gross-Variante gemessen, entsteht ein scheinbarer Rückstand, der ausschließlich aus der Rechenmethode stammt.
Praktisch heißt das: Der Zusatz im Indexnamen entscheidet darüber, ob ein Vergleich überhaupt aussagekräftig ist. Steht dort nichts, handelt es sich bei den meisten europäischen Indizes um die Net-Total-Return-Variante — verlassen sollte man sich darauf aber nicht. Welche Rolle die Auswahl der richtigen Variante spielt, behandelt Benchmark.
Der Unterschied an einer Ausschüttung
Ein Modellbeispiel mit gesetzten Werten:
- Depotwert: 163.200 €
- TER des Fonds: 0,07 %
- Haltedauer: 28 Jahre
Angenommen, der abgebildete Markt liefert 5,0 Prozent Kursentwicklung und 2,0 Prozent Ausschüttungsrendite pro Jahr. Beide Indexvarianten laufen dann deutlich auseinander:
| Variante | jährliche Entwicklung | nach 28 Jahren aus 163.200 € |
|---|---|---|
| Kursindex | 5,0 % | rund 638.000 € |
| Total-Return-Index | 7,0 % | rund 1.086.000 € |
Der Unterschied beträgt im Modell mehr als das Doppelte der ursprünglichen Anlagesumme — und er entsteht nicht durch eine bessere Anlage, sondern allein dadurch, ob Ausschüttungen mitgerechnet werden.
Daraus folgt die praktisch wichtigste Konsequenz: Wer die Wertentwicklung seines Depots gegen einen Kursindex hält, misst systematisch zu gut. Wer eine langfristige Renditeannahme aus einer Kursindex-Historie ableitet, rechnet systematisch zu niedrig. Beide Fehler sind verbreitet und beide entstehen an derselben Stelle — bei der Wahl der Indexvariante.
Modellrechnung, keine Prognose. Die Werte sind gesetzt, nicht erwartet.
Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Renditeannahmen sind gesetzte Rechengrößen. Historische Indexverläufe lassen keinen Schluss auf künftige Entwicklungen zu.
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