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Günstigerprüfung: der Vergleich zweier Steuersätze

Die Günstigerprüfung vergleicht den persönlichen Steuersatz mit dem Abgeltungsteuersatz und wendet den niedrigeren an. Sie ist ein Antrag in der Steuererklärung, kein Vorgang bei der Bank.

Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.

Was geprüft wird

Kapitalerträge werden im Regelfall pauschal mit 25 Prozent belastet, unabhängig davon, wie hoch dein übriges Einkommen ist. Genau darin liegt der Nachteil für Menschen mit niedrigem Einkommen: Wer insgesamt nur wenig verdient, hätte auf dieselben Erträge nach dem regulären Tarif weniger gezahlt.

Die Günstigerprüfung löst das. Auf Antrag rechnet das Finanzamt beide Varianten durch:

  1. Es addiert die Kapitalerträge zu den übrigen Einkünften und ermittelt die tarifliche Einkommensteuer auf das Gesamteinkommen.
  2. Es stellt dieser Zahl die Variante gegenüber, bei der die Kapitalerträge außen vor bleiben und pauschal mit 25 Prozent belastet werden.
  3. Es wendet automatisch die für dich günstigere Variante an.

Der letzte Punkt ist wichtig: Der Antrag kann dich nicht schlechterstellen. Fällt die Prüfung ungünstig aus, bleibt es beim pauschalen Satz — das Finanzamt verwirft den Antrag von sich aus. Ein Risiko besteht also nicht, wohl aber der Aufwand, die Erträge überhaupt in der Erklärung anzugeben.

Zwei Nebeneffekte gehören dazu. Wird die tarifliche Besteuerung angewendet, entfällt auch die Sonderstellung beim Solidaritätszuschlag — die Freigrenze aus dem Tarifbereich greift dann ebenfalls. Und der Sparerpauschbetrag bleibt in beiden Varianten erhalten; er wird nicht gegen die Günstigerprüfung aufgerechnet.

Die konkrete Einkommensschwelle, ab der sich der Antrag lohnt, beziffert Günstigerprüfung nutzen.

Verwechslung mit dem Freibetrag

Im Alltag werden drei Instrumente durcheinandergebracht, die völlig verschieden funktionieren.

SparerpauschbetragFreistellungsauftragGünstigerprüfung
Was es istgesetzlicher FreibetragErklärung an die BankAntrag beim Finanzamt
Wirkt aufdie Höhe des Ertragsden Zeitpunkt des Abzugsden anzuwendenden Steuersatz
Wer entscheidetder Gesetzgeberdudas Finanzamt
Wann relevantimmerwenn ein Depot bestehtnur bei niedrigem Einkommen

Die zweite Zeile ist der Kern. Der Pauschbetrag stellt einen Teil des Ertrags frei, der Freistellungsauftrag verschiebt lediglich den Zeitpunkt, und die Günstigerprüfung verändert den Prozentsatz auf den steuerpflichtigen Rest. Sie greift also erst, nachdem die beiden anderen gewirkt haben.

Daraus folgt eine praktische Konsequenz: Wer die Günstigerprüfung beantragt, hat den Pauschbetrag nicht verbraucht und braucht ihn auch nicht aufzugeben. Beide Instrumente wirken nebeneinander.

Abzugrenzen ist sie schließlich von der NV-Bescheinigung. Diese verhindert den Steuerabzug von vornherein und setzt voraus, dass überhaupt keine Einkommensteuer anfällt. Die Günstigerprüfung dagegen holt zu viel gezahlte Steuer nachträglich zurück und funktioniert auch dann, wenn Einkommensteuer anfällt — nur eben zu einem Satz unterhalb von 25 Prozent.


Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Angaben zum Stand 19.08.2026. Ob sich ein Antrag lohnt, hängt von deinem zu versteuernden Gesamteinkommen ab; für verbindliche Auskünfte wende dich an einen Angehörigen der steuerberatenden Berufe.

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