Zum Inhalt springen
StartRatgeberEinzahlung und Wertzuwachs im Endkapital trennen

Ratgeber

Einzahlung und Wertzuwachs im Endkapital trennen

Am Ende einer Ansparzeit stehen zwei Zahlen: was du eingezahlt hast und was daraus geworden ist. Die Differenz ist keine Nebengröße, sondern der eigentliche Gegenstand der Planung.

Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.

Die beiden Bestandteile des Endkapitals

Jedes Endkapital lässt sich vollständig in zwei Teile zerlegen, ohne Rest:

  • Die Summe der Einzahlungen. Rate mal Anzahl der Ausführungen, gegebenenfalls zuzüglich Startkapital. Diese Zahl steht von Anfang an fest und hängt an keiner Annahme.
  • Der Wertzuwachs. Alles, was darüber hinaus im Depot liegt — Kursgewinne, wiederangelegte Ausschüttungen und der Ertrag auf beides.

Ein Modellbeispiel mit gesetzten Werten: 192 Euro monatlich über 11 Jahre bei einer Renditeannahme von 4,1 Prozent.

GrößeWert
Monatsrate192 €
Laufzeit11 Jahre (132 Raten)
Summe der Einzahlungen25.344 €
Renditeannahme4,1 %
Wertzuwachs im Modellrund 6.100 €
Endkapital im Modellrund 31.400 €
Anteil Wertzuwachsrund 19 %

Bemerkenswert ist die letzte Zeile im Verhältnis zum Zielbetrag von 469.000 Euro: Dieses Ziel liegt um mehr als das Vierzehnfache über dem Modellergebnis. Es ist mit dieser Rate und dieser Laufzeit nicht erreichbar — auch nicht mit einer optimistischeren Annahme. Diese Feststellung ist keine Nebenbemerkung, sondern das, was eine ehrliche Rechnung zuerst leisten muss.

Modellrechnung, keine Prognose. Die Werte sind gesetzt, nicht erwartet.

Der Verlauf der Aufteilung über die Jahre

Die Aufteilung ist nicht konstant, sondern verschiebt sich in jedem Jahr — und zwar beschleunigt.

Im ersten Jahr besteht das Depot fast vollständig aus Einzahlungen; der Zuwachs auf 2.304 Euro über durchschnittlich ein halbes Jahr bewegt sich im niedrigen zweistelligen Bereich. Im elften Jahr dagegen arbeitet ein Bestand von über 25.000 Euro ein volles Jahr lang.

Zwei Wege führen zum Wertzuwachs, und sie sind unterschiedlich schnell. Der erste ist der Ertrag auf die eingezahlten Beträge selbst — er wächst mit jeder Rate mit und verläuft nahezu linear. Der zweite ist der Ertrag auf bereits erwirtschaftete Erträge; er beginnt bei null und beschleunigt sich mit jedem Jahr. Im elften Jahr des Modellfalls stammt bereits ein spürbarer Teil des Zuwachses aus dieser zweiten Quelle.

Der Grund liegt in der Struktur: Die Einzahlung wächst linear, der Zuwachs exponentiell. Zwei Kurven mit unterschiedlicher Krümmung, die sich unweigerlich schneiden — die Frage ist nur, wann.

JahrEinzahlung kumuliertZuwachs kumuliert (Modell)
36.912 €rund 450 €
613.824 €rund 1.800 €
920.736 €rund 4.200 €
1125.344 €rund 6.100 €

Die Spalte rechts wächst nicht nur, sie wächst schneller: von Jahr 3 auf 6 vervierfacht sie sich, von 9 auf 11 kommen in zwei Jahren fast so viel hinzu wie in den ersten neun zusammen. Genau das beschreibt der Zinseszins.

Ab wann der Zuwachs die Einzahlung überholt

Der Kreuzungspunkt hängt allein an der Renditeannahme, nicht an der Ratenhöhe. Das ist der überraschendste Befund dieser Rechnung: Ob 50 oder 500 Euro monatlich fließen, verschiebt den Zeitpunkt nicht.

Der Grund ist einfach — beide Größen skalieren mit der Rate, ihr Verhältnis nicht. Bei einer Renditeannahme von 4,1 Prozent liegt der Gleichstand jenseits von 25 Jahren, bei 6 Prozent bei rund 20, bei 8 Prozent bei etwa 16 Jahren.

Daraus folgt eine praktische Einordnung des Modellfalls: Nach 11 Jahren steht der Zuwachsanteil bei rund 19 Prozent. Der Plan befindet sich damit klar in der Phase, in der die eigene Sparleistung trägt — der Zinseszins ist vorhanden, aber noch nicht der Hauptträger.

Eine zweite Einordnung betrifft die Reihenfolge der Renditen. Das Modell rechnet mit einer gleichbleibenden Annahme; tatsächlich schwanken Erträge von Jahr zu Jahr. Für die Ansparphase ist das weniger kritisch als oft angenommen: Solange nichts entnommen wird, spielt die Reihenfolge guter und schlechter Jahre für das Endkapital nur eine untergeordnete Rolle. Erst in der Entnahmephase kehrt sich das um.

Für die Erwartungshaltung ist das wichtig. Wer nach zehn Jahren enttäuscht auf den Wertzuwachs schaut, misst eine Größe, die zu diesem Zeitpunkt planmäßig klein ist. Der Effekt, auf den gewartet wird, entfaltet sich in den Jahren danach — vorausgesetzt, das Kapital bleibt investiert. Was genau in die Zielgröße eingeht, steht unter Zielpfad.

Was das für die Reihenfolge der Sparjahre heißt

Aus der Struktur folgt eine Asymmetrie, die in der Planung oft übersehen wird: Sparjahre sind nicht gleich viel wert.

Ein Euro, der im ersten Jahr eingezahlt wird, arbeitet elf Jahre. Derselbe Euro im letzten Jahr arbeitet noch wenige Monate. Bei 4,1 Prozent Renditeannahme unterscheidet sich ihr Beitrag zum Endkapital um mehr als 50 Prozent.

Drei Konsequenzen ergeben sich:

  1. Früh beginnen schlägt viel einzahlen. Wer drei Jahre früher startet, gleicht damit eine erhebliche Ratendifferenz aus — ohne einen Euro mehr im Monat.
  2. Eine Pause am Anfang kostet mehr als eine am Ende. Sechs ausgefallene Raten im zweiten Jahr wiegen deutlich schwerer als sechs im vorletzten.
  3. Sonderzahlungen wirken am stärksten früh. Eine Einmalzahlung im ersten Drittel der Laufzeit trägt ein Vielfaches derselben Summe im letzten Drittel.

Die dritte Regel hat eine unbequeme Kehrseite: Genau in der frühen Phase ist das Budget meist am engsten. Wer diesen Konflikt kennt, plant ihn ein — etwa indem eine spätere Ratenerhöhung fest vorgesehen wird, statt sie dem Zufall zu überlassen. Wie sich dieselbe Frage über verschiedene Laufzeiten darstellt, steht in Anlagehorizont im Vergleich.


Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Modellrechnung mit gesetzten Annahmen, keine Prognose und keine Anlageberatung.

Passt dazu

Verwandte Seiten im Ratgeber