Ratgeber
Geld-Brief-Spanne und der richtige Handelszeitpunkt
Die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs ist kein Fixwert, sondern hängt am Zeitpunkt der Ausführung. Über eine Sparplanlaufzeit summiert sich dieser Unterschied zu einer eigenen Kostenposition.
Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.
Was die Geld-Brief-Spanne verursacht
Die Spanne ist der Preis dafür, dass jederzeit jemand bereit ist, zu kaufen und zu verkaufen. Diese Bereitschaft stellt ein Market Maker her, und sie kostet ihn etwas.
Drei Faktoren bestimmen die Höhe:
- Die Kosten der Absicherung. Wer Anteile verkauft, die er nicht hält, muss sich eindecken. Je teurer und unsicherer das ist, desto breiter die Spanne.
- Die Liquidität des Basismarkts. Ein ETF auf einen breiten europäischen Index lässt sich jederzeit absichern; einer auf einen engen Schwellenländermarkt nicht.
- Das Handelsvolumen im ETF selbst. Es ist der schwächste der drei Faktoren — ein wenig gehandelter ETF auf einen liquiden Index kann eine enge Spanne haben.
Punkt 3 räumt mit einem verbreiteten Missverständnis auf: Nicht die Popularität des ETF bestimmt die Spanne, sondern die Handelbarkeit dessen, was er enthält. Ein neuer, kleiner ETF auf einen Standardindex ist deshalb oft günstiger handelbar als ein etablierter auf eine Nische.
Die Größenordnung: Bei ETFs auf breite Industrieländerindizes liegen Spannen häufig unter 0,1 Prozent, bei Schwellenländern oder Spezialthemen deutlich darüber. Die Definition steht unter Spread.
Die Spanne im Tagesverlauf
Die Spanne ist über den Handelstag nicht konstant. Sie folgt einem wiederkehrenden Muster.
| Zeitraum | Typische Spanne | Grund |
|---|---|---|
| Eröffnung (9:00–9:30) | am breitesten | Preisfindung läuft noch |
| Vormittag | eng | volle Marktaktivität |
| Mittag | leicht breiter | geringeres Volumen |
| Nachmittag ab 15:30 | am engsten | US-Markt geöffnet |
| Letzte 30 Minuten | breiter | Positionsabbau |
Der auffälligste Punkt ist die Eröffnung. In den ersten Minuten liegen für viele Bestandteile noch keine belastbaren Preise vor; der Market Maker kalkuliert diese Unsicherheit ein. Eine Order um 9:05 Uhr kann deutlich teurer ausgeführt werden als dieselbe Order um 10:30 Uhr.
Ein Modellbeispiel mit gesetzten Werten ordnet die Größenordnung ein: Depot 71.500 Euro, günstige Position mit 0,07 Prozent TER, Betrachtungszeitraum 13 Jahre. Eine um 0,15 Prozentpunkte breitere Spanne bei jeder Ausführung kostet über 13 Jahre bei monatlicher Rate einen niedrigen dreistelligen Betrag — spürbar, aber kleiner als die laufenden Fondskosten im selben Zeitraum.
Modellrechnung, keine Prognose. Die Werte sind gesetzt, nicht erwartet.
Handelszeiten des Basismarkts beachten
Die zweite Regel folgt aus dem Inhalt des Fonds. Ein ETF lässt sich am engsten handeln, wenn die Märkte geöffnet sind, deren Papiere er hält.
| ETF auf | Beste Handelszeit (MEZ) |
|---|---|
| Europa | 9:30–17:30 |
| USA | 15:30–17:30 |
| Welt (überwiegend USA) | 15:30–17:30 |
| Japan | vormittags, mit Einschränkungen |
| Schwellenländer breit | 9:30–17:30, Mittelfeld |
Für einen weltweit anlegenden ETF ist der späte Nachmittag der günstigste Zeitraum, weil dann der größte Teil der enthaltenen Papiere aktiv gehandelt wird und die Absicherung entsprechend billig ist.
Umgekehrt gilt: Ein ETF auf japanische Aktien am deutschen Nachmittag gehandelt bedeutet, dass der Basismarkt seit Stunden geschlossen ist. Der Market Maker schätzt dann, und die Schätzung kostet Spanne.
Ein Sonderfall sind Feiertage. Ist der Basismarkt geschlossen, der deutsche Handelsplatz aber offen, weiten sich die Spannen deutlich. Welche Regeln je Handelsplatz gelten, steht unter Handelsplatz.
Was du beim Sparplan davon beeinflussen kannst
Beim Sparplan ist der Handlungsspielraum kleiner als beim Einzelkauf — aber nicht null.
Was du beeinflussen kannst:
- Den Anbieter. Sparpläne werden je nach Broker außerbörslich beim Handelspartner oder an einer Börse ausgeführt. Die Konditionen unterscheiden sich, und sie stehen im Preisverzeichnis.
- Die Ausführungszeit, wo wählbar. Manche Anbieter bieten mehrere Ausführungszeitpunkte an. Der spätere ist bei weltweit anlegenden ETFs in der Regel der günstigere.
- Die Fondsauswahl. Zwischen zwei ETFs auf denselben Index kann die typische Spanne deutlich abweichen.
Was du nicht beeinflussen kannst:
- Den genauen Ausführungszeitpunkt innerhalb des Fensters
- Die Tagesform des Marktes
- Ob eine Order in einer volatilen Phase landet
Daraus folgt eine nüchterne Einordnung: Der Spread ist beim Sparplan eine Auswahlfrage beim Anbieter, keine Timing-Frage bei der einzelnen Ausführung. Wer ihn optimieren will, tut das einmal bei der Kontoeröffnung — nicht monatlich.
Für Einmalkäufe größerer Beträge gilt etwas anderes. Dort lohnt die Wahl des Zeitpunkts, und dort lohnt auch ein Limit statt einer Marktorder: Es verhindert die Ausführung zu einem Kurs, der weit außerhalb der üblichen Spanne liegt.
Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Modellrechnung mit gesetzten Annahmen, keine Prognose und keine Anlageberatung. Handelszeiten und Spannen unterscheiden sich je Handelsplatz.
Passt dazu
Verwandte Seiten im Ratgeber
Spread: die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs
Spread bei ETFs erklärt: wodurch die Geld-Brief-Spanne entsteht, warum sie keine Gebühr ist und wann sie im Tagesverlauf besonders breit ausfällt.
Seite öffnen →Market Maker: wer laufend Kurse stellt
Market Maker erklärt: welche Aufgabe Liquiditätsgeber im ETF-Handel haben, woran sie verdienen und welche verbindlichen Pflichten für sie gelten.
Seite öffnen →Handelsplatz: wo die Order tatsächlich ausgeführt wird
Handelsplatz erklärt: welche Arten es für ETFs gibt, worin sie sich unterscheiden und warum Broker und Handelsplatz zwei verschiedene Rollen sind.
Seite öffnen →Zehn, zwanzig, dreißig Jahre — was der Horizont ändert
Anlagehorizont im Vergleich: wie sich Einzahlung und Wertzuwachs über zehn, zwanzig und dreißig Jahre verschieben und was das für die Rate heißt.
Seite öffnen →