Zum Inhalt springen
StartRatgeberEinen Sparplan auf zwei Depots verteilen

Ratgeber

Einen Sparplan auf zwei Depots verteilen

Zwei Depots verdoppeln nicht die Sicherheit, aber zuverlässig den Dokumentationsaufwand. Ob sich das lohnt, hängt an Gründen, die nichts mit Risikostreuung zu tun haben.

Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.

Gründe, die für zwei Depots sprechen

Vier Gründe halten einer Prüfung stand — und der meistgenannte gehört nicht dazu.

Was nicht trägt: die Insolvenz des Brokers. Fondsanteile sind Sondervermögen und gehören nicht zur Insolvenzmasse der Depotbank. Bei einer Pleite werden sie übertragen, nicht verwertet. Ein zweites Depot verbessert daran nichts.

Was trägt:

  1. Konditionen. Ein Anbieter führt den gewünschten Fonds sparplanfähig und kostenfrei, ein anderer nicht. Zwei Depots ermöglichen die günstigere Kombination.
  2. Trennung von Zielen. Altersvorsorge und ein mittelfristiges Ziel getrennt zu führen macht die Auswertung eindeutig und verhindert den Griff in den falschen Topf.
  3. Ausfallsicherheit im Zugang. Technische Störungen, gesperrte Zugänge oder ein blockiertes Verrechnungskonto legen bei einem Depot alles lahm.
  4. Steuerliche Trennung. Getrennte Verlusttöpfe können bei bestimmten Konstellationen von Vorteil sein — sie können es allerdings auch verschlechtern.

Der vierte Punkt schneidet in beide Richtungen: Verluste bei Bank A und Gewinne bei Bank B werden nicht automatisch verrechnet. Das geht nur über die Steuererklärung.

Was sich dadurch verdoppelt

Der Aufwand ist der eigentliche Preis, und er fällt jedes Jahr an.

PositionBei einem DepotBei zwei Depots
Depotgebühr
Freistellungsauftrag1× erteilenaufteilen und abgleichen
Steuerbescheinigung
Verlusttöpfe2 (Aktien/Sonstige)4
Jahresabgleich1 Vorgang2 plus Zusammenführung
Zugänge und Sicherung1 Satz2 Sätze

Die zweite Zeile ist die arbeitsintensivste. Der Sparerpauschbetrag muss auf beide Institute verteilt werden, und die Verteilung stimmt nur, wenn die erwarteten Erträge je Depot geschätzt wurden. Bei ungleicher Entwicklung verschiebt sich das jährlich.

Die vierte Zeile ist die folgenreichste. Vier Töpfe statt zwei bedeutet, dass Verrechnungen häufiger über die Steuererklärung laufen müssen statt automatisch bei der Bank.

Ein Posten fehlt in der Tabelle bewusst: die Ordergebühren. Sie verdoppeln sich nicht — es wird ja nicht doppelt gekauft, sondern verteilt. Was sich verdoppeln kann, beschreibt Depotgebühr.

Die Auswertung wieder zusammenführen

Zwei Depots erzeugen zwei Teilbilder. Ohne Zusammenführung fehlt genau die Zahl, die zählt — die Gesamtposition.

Ein Modellbeispiel mit gesetzten Werten: Depot 51.800 Euro insgesamt, günstigste Position mit 0,07 Prozent TER, Betrachtungszeitraum 36 Jahre. Verteilt auf zwei Institute im Verhältnis 60 zu 40.

Vier Größen müssen zusammengeführt werden:

  1. Der Gesamtbestand, für den Soll-Ist-Abgleich gegen den Zielpfad.
  2. Die Gewichte je Position, über beide Depots hinweg gerechnet. Eine Position, die in beiden Depots liegt, wird sonst doppelt untergewichtet wahrgenommen.
  3. Die Kostenquote, gewichtet über alle Positionen beider Depots — Näheres unter Gewichtete TER.
  4. Die Erträge und der genutzte Freibetrag, für die Steuerübersicht.

Praktisch reicht dafür eine Tabelle mit einer Spalte „Institut" und einer Zeile je Position. Der jährliche Aufwand liegt bei etwa einer halben Stunde — vorausgesetzt, beide Exporte werden im selben Format abgelegt.

Was nicht funktioniert: sich auf die Übersicht eines der beiden Anbieter zu verlassen. Sie kennt das andere Depot nicht und zeigt Gewichte, die für das Gesamtbild falsch sind.

Modellrechnung, keine Prognose. Die Werte sind gesetzt, nicht erwartet.

Wann ein Depot die bessere Wahl bleibt

Für die meisten Pläne ist ein Depot ausreichend, und zwar aus einem Grund, der selten genannt wird: Der Mehraufwand wird nicht dauerhaft betrieben.

Ein zweites Depot lohnt nicht, wenn:

  • Der Gesamtbestand unter etwa 25.000 Euro liegt. Der Aufwand steht dann in keinem Verhältnis zum Nutzen.
  • Beide Depots denselben Zweck erfüllen. Ohne Trennung nach Zielen entsteht nur Verwaltung.
  • Der Anlass eine bessere Kondition war, die inzwischen weggefallen ist. Aktionskonditionen laufen aus; das Depot bleibt.
  • Die Zusammenführung nicht regelmäßig stattfindet. Ein zweites Depot ohne Gesamtübersicht ist schlechter als ein einzelnes.

Der letzte Punkt ist der Test für die ganze Frage. Wer die Zusammenführung nicht mindestens einmal jährlich macht, verliert mehr an Übersicht, als er an Konditionen gewinnt.

Umgekehrt gilt: Wer sie ohnehin führt, weil er den Bestand ohne Bankübersicht dokumentiert, für den kostet das zweite Depot fast nichts an zusätzlichem Aufwand. Die Frage ist deshalb weniger, ob zwei Depots sinnvoll sind — sondern ob die eigene Dokumentation sie trägt.


Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Modellrechnung mit gesetzten Annahmen, keine Prognose und keine Anlageberatung.

Passt dazu

Verwandte Seiten im Ratgeber