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Vier Fehler bei der Gewichtung von ETF-Positionen

Zielgewichte verrutschen nicht durch Fehler beim Kauf, sondern durch unterschiedliche Wertentwicklung danach. Wer das nicht einplant, hält ein Portfolio für ausgewogen, das es seit Jahren nicht mehr ist.

Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.

Zielgewicht und Ist-Gewicht verwechselt

Der erste Fehler ist begrifflich und deshalb hartnäckig. Das Zielgewicht ist eine Entscheidung — etwa 70 Prozent Industrieländer, 20 Prozent Schwellenländer, 10 Prozent Anleihen. Das Ist-Gewicht ist eine Messung: der heutige Anteil jeder Position am Depotwert.

Beide fallen nur an einem einzigen Tag zusammen, nämlich unmittelbar nach dem Kauf oder nach einem Rebalancing. Danach laufen sie auseinander, und zwar zwangsläufig.

Ein Zahlenbeispiel: Bei 70/20/10 und einem Jahr, in dem Industrieländer um 18 Prozent steigen, Schwellenländer um 2 Prozent fallen und Anleihen unverändert bleiben, steht das Ist-Gewicht am Jahresende bei rund 74/17/9. Nach drei solchen Jahren liegt es jenseits von 80/13/7 — bei unveränderter Zielvorgabe.

Die Korrektur: Beide Größen getrennt führen und nebeneinander darstellen. Ein Depotüberblick, der nur eine Zahl je Position zeigt, verschleiert genau den Unterschied, um den es geht. Was aus dauerhaft verrutschten Gewichten entstehen kann, steht unter Klumpenrisiko.

Gewichtung nach Sparrate statt nach Depotwert

Der zweite Fehler betrifft die Bezugsgröße. Wer 70 Prozent der monatlichen Rate in den Kernbaustein steckt, hat damit die Zuflüsse gewichtet, nicht das Depot.

Solange das Depot klein und die Sparrate im Verhältnis groß ist, fällt der Unterschied kaum auf. Mit wachsendem Bestand kehrt sich das um: Eine Rate von 300 Euro im Monat bewegt bei einem Depot von 15.000 Euro noch spürbar etwas, bei 150.000 Euro praktisch nichts mehr.

DepotwertJahreseinzahlung 3.600 €Einfluss auf die Gewichte
15.000 €24 % des Bestandshoch
60.000 €6 % des Bestandsmittel
150.000 €2,4 % des Bestandsgering

Die Korrektur: Die Zielgewichte immer auf den Depotwert beziehen. Die Sparratenaufteilung ist dann kein Ziel, sondern ein Werkzeug — sie wird so gewählt, dass sie das Ist-Gewicht in Richtung Zielgewicht schiebt, und ändert sich mit der Abweichung.

Praktisch heißt das: Die Aufteilung der Rate ist keine einmal getroffene Einstellung, sondern wird beim jährlichen Abgleich mit angepasst.

Neue Position ohne Anpassung der übrigen Ziele

Der dritte Fehler passiert beim Erweitern. Ein neuer ETF kommt hinzu, bekommt ein Zielgewicht — und die bestehenden Ziele bleiben stehen. In der Summe ergeben sie dann mehr als 100 Prozent.

Was danach folgt, ist keine Struktur, sondern ein Kompromiss aus alten und neuen Absichten. Meist wird der neue Baustein bespart, bis er „ungefähr passt", während die übrigen Gewichte unbeobachtet driften.

Die Korrektur in drei Schritten:

  1. Erst entscheiden, woher der Anteil kommt. Ein neuer Baustein mit 10 Prozent Zielgewicht bedeutet, dass 10 Prozentpunkte anderswo abgehen — und zwar benannt, nicht anteilig verteilt.
  2. Die Zielliste vollständig neu aufschreiben. Alle Positionen mit ihren neuen Zielgewichten, Summe exakt 100 Prozent.
  3. Den Weg dorthin festlegen. Über die Sparrate, über eine Umschichtung oder über beides — mit einem Datum, bis wann.

Der zweite Schritt ist der, der übersprungen wird. Eine Zielliste, die nicht auf 100 Prozent aufgeht, ist keine Zielliste. Warum die Verteilung überhaupt eine eigene Größe ist, steht unter Diversifikation.

Abweichung bemerkt, aber keine Schwelle definiert

Der vierte Fehler ist der teuerste, weil er zu Dauerbeobachtung ohne Handlung führt. Die Abweichung ist bekannt, aber es fehlt die Regel, ab wann sie etwas auslöst.

Ohne Schwelle passiert eines von zwei Dingen: Entweder wird gar nicht gehandelt, oder es wird zu oft gehandelt — jedes Mal, wenn die Abweichung gerade unangenehm auffällt.

Zwei Regeltypen sind gebräuchlich:

  • Zeitband. Einmal jährlich zum festen Stichtag prüfen und ausgleichen. Einfach, planbar, unabhängig von der Marktlage.
  • Toleranzband. Ausgleichen, sobald eine Position um mehr als X Prozentpunkte oder mehr als Y Prozent relativ abweicht. Reagiert schneller, erzeugt aber unregelmäßig Transaktionen.

Beide funktionieren; die Kombination aus beidem funktioniert am besten: jährlich prüfen, handeln nur bei Überschreitung des Bandes. Damit bleibt die Zahl der Transaktionen klein und die Struktur trotzdem in Reichweite des Ziels.

Ein häufiger Einwand lautet, Rebalancing koste Rendite, weil es aus dem Gewinner heraus in den Verlierer schichtet. Das stimmt für einzelne Zeiträume. Es verkennt aber den Zweck: Die Regel steuert das Risiko, nicht die Rendite. Wie der Ausgleich im Einzelnen abläuft, steht unter Rebalancing.


Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Keine Anlageberatung. Zielgewichte sind eine persönliche Entscheidung und hängen von deiner Risikotragfähigkeit ab.

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