Glossar
Klumpenrisiko: wenn vieles an derselben Ursache hängt
Ein Klumpenrisiko entsteht, wenn ein großer Teil des Depots von derselben Entwicklung abhängt. Entscheidend ist nicht die Zahl der Positionen, sondern wovon sie gemeinsam abhängen.
Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.
Wie ein Klumpen entsteht
Selten durch eine bewusste Entscheidung. Die typischen Entstehungswege verlaufen unbemerkt:
- Überschneidung mehrerer Fonds. Drei breit gestreute ETFs können zu einem erheblichen Teil dieselben Titel enthalten, wenn ihre Indizes sich überlappen. Die Zahl der Positionen steigt, die tatsächliche Streuung kaum.
- Wertentwicklung. Steigt eine Position über Jahre stärker als der Rest, wächst ihr Anteil von allein. Ohne Ausgleich verschiebt sich das Depot in Richtung des zuletzt erfolgreichsten Bereichs.
- Konzentration im Index selbst. Ein marktkapitalisierungsgewichteter Index bildet die Marktverteilung ab — ist eine Branche am Markt hoch bewertet, wiegt sie auch im Index schwer. Das behandelt Sektorgewichtung.
- Kopplung an das eigene Einkommen. Wer Aktien des eigenen Arbeitgebers hält, koppelt Vermögen und Gehalt an dasselbe Unternehmen. Das ist der Klumpen mit der größten praktischen Wirkung und taucht in keiner Depotauswertung auf.
Der letzte Punkt ist der am häufigsten übersehene. Ein Klumpenrisiko endet nicht an der Depotgrenze — es umfasst alles, was von derselben Ursache abhängt, einschließlich Einkommen und Immobilie.
Abgrenzung zum breit gestreuten Depot
Marktrisiko und Klumpenrisiko werden oft in einen Topf geworfen, unterscheiden sich aber in einem Punkt grundlegend: Das eine lässt sich nicht wegdiversifizieren, das andere schon.
| Marktrisiko | Klumpenrisiko | |
|---|---|---|
| Ursache | allgemeine Marktbewegung | Konzentration auf eine Ursache |
| Trifft | alle Anlagen zugleich | einen Teil des Depots überproportional |
| Vermeidbar | nein | ja, durch Streuung |
| Wird entlohnt | in der Renditeerwartung enthalten | nein |
Die letzte Zeile ist der Kern. Für Marktrisiko gibt es eine Risikoprämie — dafür wird man langfristig entschädigt. Für ein Klumpenrisiko nicht: Es erhöht die Schwankung, ohne die Ertragserwartung zu erhöhen. Es ist damit ein Risiko, das man ohne Gegenleistung trägt.
Ein breit gestreutes Depot enthält Marktrisiko und möglichst wenig Klumpenrisiko. Wie sich eine bestehende Konzentration feststellen und ohne unnötige Kosten auflösen lässt, behandelt Klumpenrisiko erkennen; das zugrunde liegende Prinzip steht unter Diversifikation.
Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Diese Seite erklärt einen Risikobegriff und enthält keine Empfehlung zur Depotzusammensetzung.
Passt dazu
Verwandte Seiten im Glossar
Diversifikation: Streuung über verschiedene Ursachen
Diversifikation erklärt: was Streuung tatsächlich bewirkt, wo ihre Grenze in Krisenphasen liegt und welche Rolle sie in einer Modellrechnung spielt.
Seite öffnen →Sektorgewichtung: wie sich ein Index auf Branchen verteilt
Sektorgewichtung erklärt: wie Branchengewichte in einem Index von allein entstehen und was ein Technologieanteil in Euro für ein konkretes Depot bedeutet.
Seite öffnen →Abgeltungsteuer: die Steuer auf Kapitalerträge
Abgeltungsteuer erklärt: Steuersatz nach § 32d EStG, die Zuschläge darauf und die Fälle, in denen die Abgeltungswirkung ausdrücklich nicht greift.
Seite öffnen →Aktienfondsquote: die Schwelle im Investmentsteuerrecht
Aktienfondsquote erklärt: welche gesetzliche Schwelle über den Teilfreistellungssatz entscheidet und wie sich die Quote an einem Fonds prüfen lässt.
Seite öffnen →