Glossar
Schwellenländer: die Märkte zwischen den Kategorien
Schwellenländer sind Volkswirtschaften, die Indexanbieter zwischen Entwicklungs- und Industrieländern einordnen. Die Zuordnung ist eine Anbieterentscheidung, keine amtliche Kategorie.
Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.
Wie die Einstufung zustande kommt
Indexanbieter prüfen die Einordnung jährlich anhand von drei Kriterienblöcken:
- Wirtschaftliche Entwicklung. Vor allem das Bruttonationaleinkommen je Einwohner über mehrere Jahre.
- Größe und Liquidität. Wie viele Unternehmen erreichen eine Mindestgröße und werden ausreichend gehandelt?
- Marktzugänglichkeit. Können ausländische Anleger frei kaufen und verkaufen? Gibt es Kapitalverkehrskontrollen, Beschränkungen für Ausländer, verlässliche Abwicklung und Verwahrung?
Der dritte Block ist in der Praxis der entscheidende und zugleich der am wenigsten intuitive. Ein Land kann wirtschaftlich hoch entwickelt sein und trotzdem als Schwellenland geführt werden, weil sein Kapitalmarkt für ausländische Anleger schwer zugänglich ist. Umgekehrt sind einige Märkte trotz niedrigerer Wirtschaftskraft hochgestuft, weil sie technisch reibungslos funktionieren.
Unterhalb der Schwellenländer gibt es eine weitere Stufe, die sogenannten Frontier Markets. Sie sind in den gängigen Standardindizes nicht enthalten.
Die Einstufung ist nicht dauerhaft: Länder werden hoch- und herabgestuft, und die Umstellung erfolgt über einen angekündigten Zeitraum. Für einen Indexfonds bedeutet das planmäßiges Umschichten — für dich als Anleger passiert es unbemerkt im Fonds. Die Gegenkategorie behandelt Industrieländer.
Welche Rolle die Quote im Plan spielt
Für die Planung ist weniger die Definition wichtig als die Frage, welchen Anteil Schwellenländer im eigenen Portfolio haben — und wodurch dieser Anteil zustande kommt.
Es gibt genau drei Wege:
| Weg | Wie die Quote entsteht |
|---|---|
| Index mit Schwellenländern | automatisch nach Marktkapitalisierung, einstelliger Prozentbereich |
| Index ohne Schwellenländer | Quote gleich null |
| Zwei getrennte ETFs | selbst festgelegt, häufig 70/30 oder 80/20 |
Die dritte Zeile ist eine bewusste Abweichung von der Marktgewichtung und damit eine aktive Entscheidung. Sie erzeugt zusätzlichen Aufwand, weil die Quote durch unterschiedliche Wertentwicklung verrutscht und regelmäßig ausgeglichen werden muss.
In der Modellrechnung wirkt sich die Quote auf die Ergebnisbandbreite aus, weniger auf den Erwartungswert: Schwellenländermärkte schwanken historisch stärker, was den Korridor möglicher Ergebnisse verbreitert.
Wichtig ist die Dokumentation. Wer bewusst von der Marktgewichtung abweicht, sollte die gewählte Quote und ihre Begründung festhalten — sonst wird sie nach jeder schwachen Phase neu verhandelt. Die Kriterien dafür liefert Schwellenländer-Anteil festlegen; die beiden Indexvarianten stellt Weltindex mit und ohne Schwellenländer gegenüber.
Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Diese Seite erklärt eine Indexsystematik und enthält keine Empfehlung für eine bestimmte Regionenquote.
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