Glossar
Industrieländer: die entwickelten Märkte im Index
Industrieländer sind Märkte, die Indexanbieter nach Wirtschaftskraft und Marktzugang als entwickelt einstufen. Eine verbindliche, anbieterübergreifende Liste existiert nicht.
Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.
Kriterien der Einstufung
Geprüft werden dieselben drei Blöcke wie bei den Schwellenländern, nur mit höheren Anforderungen:
- ein hohes Bruttonationaleinkommen je Einwohner über mehrere Jahre in Folge
- eine ausreichende Zahl großer, liquide gehandelter Unternehmen
- ein weitgehend uneingeschränkter Marktzugang für ausländische Anleger, verlässliche Abwicklung, keine Kapitalverkehrsbeschränkungen
Der letzte Punkt hat in der Praxis das größte Gewicht. Ein Markt gilt erst dann als entwickelt, wenn ein ausländischer Fonds dort ohne Sondergenehmigungen kaufen, verkaufen und die Erlöse ausführen kann.
Nicht Teil der Prüfung ist dagegen die politische Verfassung eines Landes oder seine Zugehörigkeit zu einer Wirtschaftsorganisation. Die Klassifikation der Indexanbieter ist eine kapitalmarktbezogene Einordnung und deckt sich deshalb nicht mit den Länderlisten von Institutionen wie Weltbank oder OECD — eine Überschneidung, die im Alltag oft unterstellt wird.
Aus der Einstufung folgt unmittelbar die Zusammensetzung eines Weltindex auf Industrieländer. Er enthält typischerweise gut zwanzig Länder, wobei ein sehr großer Teil des Gewichts auf wenige Märkte entfällt — eine Konzentration, die aus der Marktkapitalisierung folgt und nicht aus der Länderzahl.
Warum Anbieter unterschiedlich einordnen
Weil die Kriterien Ermessensspielräume enthalten, kommen verschiedene Indexanbieter zu verschiedenen Ergebnissen. Dieselbe Region kann bei einem Anbieter als entwickelt und beim anderen als Schwellenland geführt werden — beides mit nachvollziehbarer Begründung.
| Folge | Was das praktisch bedeutet |
|---|---|
| Unterschiedliche Länderzahl | zwei „Welt"-Indizes decken nicht dasselbe ab |
| Unterschiedliche Gewichte | dieselbe Region wiegt verschieden schwer |
| Zeitversetzte Umstufungen | Anbieter reagieren nicht gleichzeitig |
| Vergleiche verzerrt | Renditeunterschiede stammen teils aus der Klassifikation |
Die letzte Zeile ist der praktisch wichtigste Punkt. Wer zwei Fonds auf „Industrieländer weltweit" vergleicht und einen Renditeunterschied findet, misst möglicherweise gar nicht die Qualität der Abbildung, sondern eine andere Länderliste. Für die Wahl einer Benchmark heißt das: Beide Seiten müssen aus derselben Indexfamilie stammen.
Ebenfalls zu beachten: Eine Umstufung ist kein Ereignis, auf das du reagieren musst. Der Fonds schichtet planmäßig um, die Kosten dafür sind Teil seiner laufenden Handelskosten und tauchen in der Tracking Difference auf, nicht in einer separaten Abrechnung.
Für die eigene Planung folgt daraus keine Handlungspflicht, aber eine Lesehilfe: Der Zusatz im Indexnamen sagt weniger über die Abdeckung aus als das Methodenpapier des Anbieters. Welche Rolle die fehlenden Schwellenländer spielen, behandelt Weltindex mit und ohne Schwellenländer.
Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Diese Seite erklärt eine Indexsystematik und enthält keine Aussage über einzelne Länder oder Märkte.
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