Glossar
Risikotragfähigkeit: was du verkraften kannst
Risikotragfähigkeit beschreibt, welche Verluste jemand wirtschaftlich verkraften kann, unabhängig vom Wollen. Sie ist eine Rechengröße, keine Frage der Einstellung.
Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.
Woraus sie sich ergibt
Vier Faktoren bestimmen, wie viel Schwankung ein Plan aushält:
- Anlagehorizont. Je länger die Zeit bis zum Bedarf, desto eher lässt sich ein Rückgang aussitzen. Der wichtigste Faktor.
- Liquiditätsreserve. Wer einen Puffer hat, muss im Rückgang nicht verkaufen. Ohne Reserve wird jeder Kursrutsch zum realisierten Verlust, sobald etwas dazwischenkommt.
- Einkommensstabilität. Ein sicheres Einkommen erlaubt es, die Sparrate auch in schwachen Phasen fortzuführen.
- Anteil am Gesamtvermögen. Ein Depot, das ein Viertel des Vermögens ausmacht, wiegt anders als eines, das alles enthält.
Alle vier lassen sich beziffern — das ist der Unterschied zur Bereitschaft. Eine sinnvolle Prüfung übersetzt den maximalen Drawdown in einen Eurobetrag und stellt ihn gegen diese vier Größen: Was passiert konkret, wenn das Depot vorübergehend um diesen Betrag fällt? Muss dann verkauft werden? Wenn ja, ist die Tragfähigkeit überschritten — unabhängig davon, wie gelassen man sich fühlt.
Abgrenzung zur Risikobereitschaft
Beide Begriffe werden in Beratungsgesprächen und Fragebögen oft in einem Zug abgefragt und meinen Verschiedenes.
| Risikotragfähigkeit | Risikobereitschaft | |
|---|---|---|
| Art | objektiv, rechenbar | subjektiv, Einstellung |
| Grundlage | Horizont, Reserve, Einkommen, Vermögensanteil | Erfahrung, Temperament, Vorprägung |
| Änderbar | nur durch veränderte Umstände | durch Erfahrung und Information |
| Prüfbar | ja, mit Zahlen | nur durch Selbstauskunft |
Die praktische Regel: Für die Planung ist die niedrigere der beiden Größen maßgeblich.
Wer viel verkraften könnte, aber nicht will, wird im Rückgang wahrscheinlich verkaufen — die rechnerische Tragfähigkeit nützt dann nichts. Wer viel will, aber wenig verkraften kann, gerät in genau die Lage, in der ein Verkauf unvermeidlich wird.
Ein häufiger Fehler ist außerdem, die Tragfähigkeit einmalig zu bestimmen. Sie verändert sich mit jedem Jahr: Der Horizont verkürzt sich, das Depot wächst im Verhältnis zum übrigen Vermögen, die Einkommenssituation wandelt sich. Wer mit 35 eine bestimmte Aufteilung wählt, sollte sie mit 55 nicht ungeprüft weiterführen — nicht weil sie falsch war, sondern weil die Grundlage eine andere ist.
Der Unterschied wird meist erst im Ernstfall sichtbar. Bereitschaft, die nur in steigenden Märkten geprüft wurde, ist keine geprüfte Bereitschaft. Genau deshalb gehören Handlungsregeln schriftlich festgelegt, bevor der Fall eintritt — behandelt in Umgang mit Kursrückgang.
Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Diese Seite erklärt zwei Planungsbegriffe und ersetzt keine individuelle Beratung.
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