Glossar
Renditeerwartung: die gesetzte Annahme im Modell
Eine Renditeerwartung ist die für eine Modellrechnung gesetzte Annahme, nicht die Vorhersage eines Ergebnisses. Sie ist eine Eingabe — und zugleich die Eingabe mit dem größten Einfluss auf das Ergebnis.
Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.
Woraus eine Annahme abgeleitet wird
Eine Annahme entsteht nicht aus dem Nichts, aber auch nicht aus einer Berechnung der Zukunft. Übliche Herleitungswege sind:
- Historische Durchschnitte. Die langfristige Entwicklung eines breiten Marktes über mehrere Jahrzehnte, gemessen als geometrische Rendite und nicht als einfacher Durchschnitt.
- Abschläge für Kosten. Von der Bruttoannahme werden die laufenden Kosten des gewählten Fonds abgezogen.
- Abschläge für Steuern. Wer netto plant, zieht die erwartete Steuerlast ab — sonst rechnet das Modell mit Beträgen, die so nie ankommen.
- Sicherheitsabschlag. Viele Planungen setzen bewusst unter dem historischen Durchschnitt an, um die Bandbreite nach unten abzudecken.
Entscheidend ist, dass jeder dieser Schritte dokumentiert wird. Eine Annahme von 5 Prozent kann brutto oder netto, real oder nominal, vor oder nach Kosten gemeint sein — vier Bedeutungen für dieselbe Zahl. Ohne diese Angabe lässt sich eine Modellrechnung weder prüfen noch mit einer anderen vergleichen.
Ebenso wichtig ist, dass die Annahme nicht einzeln steht. Eine seriöse Planung rechnet mehrere Szenarien und liest das Ergebnis als Korridor. Wie das geht, behandelt Modellrechnung richtig lesen.
Abgrenzung zur Prognose
Die beiden Begriffe werden im Alltag synonym verwendet und beschreiben grundlegend Verschiedenes.
| Renditeerwartung | Prognose | |
|---|---|---|
| Was sie ist | eine gesetzte Eingabe | eine behauptete Aussage über die Zukunft |
| Wird geprüft an | ihrer Herleitung | ihrem Eintreffen |
| Kann falsch sein | nein — sie ist eine Annahme | ja |
| Zweck | Folgen durchrechnen | Ergebnis vorhersagen |
Die dritte Zeile ist der Kern. Eine Annahme kann nicht falsch werden; sie kann nur unpassend gewählt sein. Wenn das tatsächliche Ergebnis abweicht, hat sich nicht die Rechnung geirrt — sie hat korrekt gezeigt, was unter dieser Annahme gilt.
Für die Planung folgt daraus die entscheidende Konsequenz: Die Frage lautet nicht „welche Rendite kommt?", sondern „was passiert mit meinem Plan, wenn es 3 statt 6 Prozent werden?". Diese Frage ist beantwortbar, die andere nicht.
Praktisch heißt das auch, dass eine höhere Annahme keinen besseren Plan macht. Sie senkt lediglich die rechnerisch nötige Sparrate — und verschiebt das Problem in die Zukunft. Wie sich eine belastbare Annahme herleiten lässt, behandelt Rendite realistisch planen.
Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Renditeannahmen sind gesetzte Rechengrößen. Die tatsächliche Entwicklung kann deutlich abweichen, auch negativ.
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