Glossar
Kirchensteuer: der zweite Zuschlag auf die Abgeltungsteuer
Die Kirchensteuer auf Kapitalerträge beträgt je nach Bundesland acht oder neun Prozent der Abgeltungsteuer. Sie wird von der depotführenden Stelle automatisch einbehalten, sofern keine Sperre eingerichtet ist.
Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.
Wie der Zuschlag ermittelt wird
Wie der Solidaritätszuschlag bemisst sich die Kirchensteuer nicht am Ertrag, sondern an der Abgeltungsteuer. Der Satz beträgt neun Prozent, in Bayern und Baden-Württemberg acht.
Eine Besonderheit unterscheidet sie vom Soli: Die gezahlte Kirchensteuer ist als Sonderausgabe abziehbar. Damit dieser Effekt schon beim Steuerabzug berücksichtigt wird, mindert sie die Bemessungsgrundlage der Abgeltungsteuer geringfügig. Der Abgeltungsteuersatz sinkt dadurch rechnerisch leicht unter 25 Prozent, bevor die Zuschläge greifen.
In der Praxis heißt das: Der Zuschlag von neun Prozent kostet nicht neun Prozent des Ertrags, sondern rund 1,5 Prozentpunkte zusätzlicher Gesamtbelastung. Bei 1.000 € steuerpflichtigem Ertrag sind es etwa 15 € gegenüber dem Fall ohne Kirchensteuerpflicht.
Für die Ermittlung gleicht das Bundeszentralamt für Steuern einmal jährlich ab, ob eine Kirchensteuerpflicht besteht. Wer dem widerspricht, richtet einen Sperrvermerk ein — dann unterbleibt die Abfrage, die Steuer ist aber trotzdem geschuldet und über die Steuererklärung zu erklären.
Seine Rolle in der Nettoplanung
Im Modell taucht die Kirchensteuer an genau einer Stelle auf: als Merkmal im Steuerprofil, das jede Netto-Berechnung beeinflusst.
| Konstellation | Gesamtbelastung des steuerpflichtigen Ertrags |
|---|---|
| ohne Kirchensteuer | rund 26,4 % |
| mit 8 % Kirchensteuer | rund 27,8 % |
| mit 9 % Kirchensteuer | rund 27,9 % |
Der Unterschied wirkt klein und ist es in einem einzelnen Jahr auch. Über eine lange Entnahmephase verschiebt er die Nettoentnahme jedoch spürbar — und zwar dauerhaft, weil er auf jeden steuerpflichtigen Euro wirkt.
Zu beachten ist außerdem der Zeitpunkt: Ein Kircheneintritt oder -austritt wirkt sich auf den Steuerabzug erst mit dem nächsten jährlichen Abgleich aus. Zwischenzeitlich zu viel oder zu wenig einbehaltene Beträge gleicht die Steuererklärung aus.
Für die Planung folgt daraus nur eines: Das Merkmal muss im Steuerprofil korrekt hinterlegt sein. Eine Netto-Entnahmerechnung, die ohne Kirchensteuer rechnet, obwohl sie anfällt, fällt systematisch zu optimistisch aus. Den konkreten Rechenweg zeigt Kirchensteuer auf Kapitalerträge.
Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Angaben zum Stand 19.08.2026. Kirchensteuersätze sind Landesrecht; für den Einzelfall gilt die Regelung deines Bundeslands.
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