Glossar
Cost-Average-Effekt: was der Begriff wirklich beschreibt
Der Cost-Average-Effekt bezeichnet, dass bei gleichbleibender Rate zu niedrigen Kursen mehr Anteile gekauft werden. Der Begriff beschreibt damit eine rechnerische Eigenschaft fester Sparbeträge — nicht mehr und nicht weniger.
Hinweis: ETFPlaner liefert Modellrechnungen und Dokumentation. Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung.
Was der Begriff beschreibt
Wer jeden Monat denselben Eurobetrag investiert, kauft eine schwankende Stückzahl. Ein Beispiel mit drei Ausführungen zu je 300 Euro:
| Monat | Kurs | Gekaufte Anteile |
|---|---|---|
| Januar | 60,00 € | 5,00 |
| Februar | 50,00 € | 6,00 |
| März | 75,00 € | 4,00 |
| Summe | — | 15,00 |
Der durchschnittliche Kurs der drei Monate liegt bei 61,67 €. Der durchschnittlich gezahlte Preis liegt dagegen bei 900 € geteilt durch 15 Anteile, also 60,00 €.
Der Effekt hat auch eine Kehrseite, die seltener genannt wird: In einer über den gesamten Zeitraum steigenden Marktphase kauft dieselbe feste Rate laufend teurer ein. Der durchschnittlich gezahlte Preis liegt dann über dem, was eine sofortige vollständige Anlage gekostet hätte. Der Mechanismus wirkt also in beide Richtungen — er ist symmetrisch und nicht auf fallende Kurse beschränkt.
Diese Differenz ist der Cost-Average-Effekt. Sie entsteht rein mathematisch, weil bei festem Betrag automatisch mehr Stücke zum niedrigen und weniger zum hohen Kurs erworben werden. Je stärker die Kurse schwanken, desto größer fällt sie aus — die Volatilität ist der Treiber.
Warum er kein Renditevorteil ist
Die Fehldeutung setzt genau hier an: Aus „günstigerer Durchschnittspreis" wird im Alltag „bessere Rendite". Das ist zwei Schritte zu weit.
- Der Vergleich ist der falsche. Verglichen wird der gezahlte Preis mit dem arithmetischen Mittel der Kurse. Das arithmetische Mittel ist aber kein Preis, den irgendjemand hätte zahlen können — es ist eine Rechengröße ohne Gegenstück in der Realität.
- Die Alternative fehlt. Die relevante Frage lautet nicht „gestaffelt gegen Durchschnittskurs", sondern „gestaffelt gegen sofort vollständig investiert". Wer über den gesamten Zeitraum bereits investiert war, hatte sein Kapital länger im Markt.
- Der Effekt schrumpft mit der Zeit. Mit wachsendem Depotwert wird jede neue Rate im Verhältnis kleiner. Nach vielen Jahren bewegt eine Monatsrate den Durchschnittspreis kaum noch.
Häufig wird dem Effekt zusätzlich eine psychologische Wirkung zugeschrieben — er nehme dem Anleger die Angst vor dem falschen Zeitpunkt. Das mag zutreffen, ist aber ein Argument über Verhalten, nicht über Rendite. In einer Modellrechnung taucht es nicht auf.
Der Sparplan hat andere, belastbare Vorzüge: Er passt zu einem laufenden Einkommen, er erfordert keine Terminentscheidung, und er läuft ohne Aufmerksamkeit weiter. Nur eben nicht, weil der Durchschnittspreis niedriger ausfällt.
Die einzelnen Behauptungen prüft Cost-Average-Effekt im Check; die eigentliche Abwägung führt Einmalanlage oder Sparplan.
Modellrechnung, keine Prognose. Die Kurse sind gesetzt, nicht erwartet.
Keine Anlageberatung. Keine Steuerberatung. Diese Seite korrigiert ein verbreitetes Missverständnis und enthält keine Empfehlung für eine bestimmte Anlageform.
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